Alexandra Lavizzari: Fast eine Liebe. Annemarie Schwarzenbach und Carson McCullers

Fast eine Liebe, fast eine Beziehung, fast eine Geschichte? Die Beziehung von Annemarie Schwarzenbach und Carson McCullers ist die Geschichte von Vergeblichkeit, dem Scheitern von Hoffnungen, eben dem Fast. Und realistisch betrachtet hatten die beiden Frauen ja auch nicht den Hauch einer Chance, sich einander in einem liebevollen Verhältnis zuzuwenden. Schwarzenbach hing fest in ihrer unseligen Abhängigkeit zu Erika Mann – welcher dies nur allzu oft allzu lästig war – und schuf, bewusst oder auch nicht, für Carson McCullers eine Situation, die ein nahezu perfektes Spiegelbild dieser fatalen Ausweglosigkeit darstellte.

McCullers, hochgelobtes Wunderkind, gesundheitlich angegriffen und alkoholabhängig, erwählte sich die neun Jahre ältere Schweizerin Annemarie Schwarzenbach zur Projektionsfläche ihrer eigenen Orientierungslosigkeit und dem brennenden Wunsch nach einem Seelenzwilling.

 

Fast eine Liebe ist trotz aller Schwere und Tragik ein überaus lesenswertes und kluges Buch. Das Besondere daran liegt zum einen in der nüchternen und dennoch niemals unbeteiligten Beschreibung der Biografien als auch in den fundierten und interessanten Schlussfolgerungen, zu denen Lavizzari kommt. Ein Muss für alle Fans von Schwarzenbach und McCullers und für alle Sprach-und Literaturinteressierten sowieso.

Alexandra Lavizzari, Fast eine Liebe. Annemarie Schwarzenbach und Carson McCullers. edition ebersbach, Berlin 2008

gelesen von Jule Blum