Ali Smith: Girl meets boy.

Schottland. Inverness. Hand aufs Herz, das weckt doch bei so manch einer Urlaubserinnerungen, Highland-Klischees von Kilt bis klarer Bergbach. All dies spielt ja auch irgendwie eine Rolle in der Geschichte, allerdings eine ganz und gar nicht klischeehafte.

Imogen und Anthea sind Schwestern, die eine jung, erfolgreich, dynamisch in einer Werbeagentur, die andere bekommt durch Vermittlung der Schwester einen gut dotierten Job in ebendieser Agentur und soll nun endlich erwachsen werden. Doch dann kommt alles anders, denn Anthea passt sich nicht an und als sie die radikalfeministische, Kilt tragende Sprayerin Robin kennen lernt, verliebt sie sich auf de Stelle. Auch Imogen steigt schließlich aus, denn Erfolg in einer neoliberalen Gesellschaft ist nicht (immer) mit Gewissen zu vereinbaren.

 

Privatisierung von Trinkwasser, Globalisierung, weltweite Benachteiligung von Frauen, Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Diskriminierung und Gleichstellung, Genderdefinitionen werden verhandelt, oft nur angerissen und in den Raum gestellt. Alles in allem wirkt der Erzählstil oft wie ein Surfen im Netz, ein Klick und ein neues Thema, eine neue Welt tut sich auf und doch ist alles mit allem verbunden. Eingebunden ist die Erzählung in alte Mythen, von Ovids Metamorphosen bis zu den Erinnerungen des Großvaters. Niemand wächst ohne Mythen auf. Stile wechseln in rasanter Folge: journalistisch knapp, tagebuchartig bis verträumt-märchenhaft-schillernd. Lesenswert, weil es einen frischen Wind mitbringt.

Ali Smith. Girl meets boy. Berlin Verlag. Berlin. 2007.

gelesen von Elke Heinicke