Angela Steidele: Geschichte einer Liebe. Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens

Steidele, Angela - Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle MertensEines gleich vorweg: Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Biografie mit dem gleichen Vergnügen gelesen habe wie diese. Autorin Angela Steidele macht in ihrem zweiten Buch einfach alles richtig, mehr noch, sie macht es gut, großartig, perfekt. Sie tappt in keine der Fallen biografischen Schreibens, verliert sich nie in der Überfülle (unwichtiger) Details. Immer wieder bringt sie sich und damit auch ihren Leserinnen zu Bewusstsein, dass das Verfassen einer Lebensbeschreibung stets auch Interpretation, das heißt, das Lesen der Quellen mit den Augen der heutigen Zeit ist.

Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens waren zwei hoch spannende Frauen, intelligent, begabt, gebildet, mit einem gut funktionierenden Netz von Freundinnen um sich. Sie lebten, soweit es irgendwie ging, autonom und sehr frauenbezogen, allemal Grund genug, sie aus der Geschichte zu löschen (Mertens) oder, wo das nicht gelingen wollte, verächtlich zu machen (Schopenhauer).

Angela Steidele ist es in unnachahmlicher Weise gelungen, diese beiden Frauen und ihre Beziehung(en) wieder mit Leben zu erfüllen. Das Buch liest sich über weite Strecken spannender als viele Romane – es war echt schwer aus der Hand zu legen, obwohl ich doch wusste wie es ausgeht, denn schließlich sind die Ladys seit mehr als 150 Jahren tot. Und dennoch hat mich Steideles lebendiger, fesselnder Stil mitunter so gepackt, dass ich heimlich gehofft habe, es gebe ein Happy-End.

Noch einmal: Ein wunderbares, ein richtig tolles, gutes Buch! Für mich ein Insel-Buch im doppelten Sinne. Zum einen natürlich wegen des Verlages und dann, weil es, bekäme ich die Frage gestellt, welche 10 Bücher ich denn mit auf die berühmte Insel nähme, ausgesprochen gute Chancen hätte, in den Koffer zu kommen.

 

Angela Steidele, Geschichte einer Liebe. Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens. Insel Verlag Berlin 2010

 

begeistert gelesen von Jule Blum