Anja Nordmann: Alltäglicher Feminismus. Geschlecht als soziale Erfahrung und reflexive Kategorie.

Es gab und gibt eine Menge zu lesen über Feminismus: Theoriebildung, Strömungen, Medienpräsenz. Was aber ist von all dem bei der Generation junger Frauen angekommen und wie prägt es deren Alltag? Diesen Fragen geht die stellvertretende Geschäftsführerin des Femtc. Hochschulkarrierezentrums für Frauen in Berlin in ihrer Dissertation nach. In Gruppen von Studentinnen lässt sie Themen wie Auslandsaufenthalt ohne Partner, das Hinterherziehen, wenn der Freund nach Studienabschluss seine erste Stelle antritt, Vereinbarkeit von Karriere und Familienplanung, finanzielle Unabhängigkeit in einer Beziehung, alltägliche Diskriminierungserfahrungen oder Schwierigkeiten beim Bestehen auf emanzipiertes Verhalten in Alltagssituationen.

Im Ergebnis wird deutlich, dass die Annahme von Gleichheit der Geschlechter generalisiert ist, was die jungen Frauen entsprechende Lebenspläne entwerfen lässt, wobei sie gleichzeitig an den realen gläsernen Wänden scheitern. Junge Frauen müssen sich in jedem Fall positionieren – für oder gegen emanzipiertes Leben. Feminismus ist (wieder) privat geworden – ein Aspekt vieler ganz alltäglicher Entscheidungen.

 

Anja Nordmann. Alltäglicher Feminismus. Geschlecht als soziale Erfahrung und reflexive Kategorie. Ulrike Helmer Verlag. Sulzbach/ Taunus. 2011

gelesen von Elke Heinicke