Anne Bax: Herz und Fuß

Bax, Anne - Herz und FußAch herrje, Fremdenführerin Charlotte („Von hier oben kann man bis Düsseldorf sehen…“), genannt Charly, hat es wirklich nicht leicht. Nicht genug damit, dass sie tiefgekühlte tote Füße in hässlichen giftgrünen Socken nebst Blumengrüßen und tiefsinniger Poesie auf dem Dach des Oberhausener Gasometers findet. Nein, das Schicksal legt ihr auch noch die Begegnung mit der Liebe ihres Lebens als Zugabe mit drauf, nur, dass diese Liebe rein zufällig die Zukünftige eines alten Schulfreundes ist. Unterstützt von Baby, ihrer besten Freundin, und ErzEngel – ihrer Mutter –, macht sich Charly daran, erstens den Fall der kalten Füße zu lösen, damit die Polizei endlich aufhört zu glauben sie habe etwas damit zu tun und zweitens, aus einer Braut in spe eine Braut a.D. zu machen.

Der erste Krimi der „wirklich ungeheuer praktischen“ Kurzgeschichten-Queen Anne Bax ist eine echte Sahneschnitte! Die Geschichte ist richtig clever ausgedacht und mit etlichen Überraschungen kurzweilig komponiert, die Charaktere ausgesprochen lebendig, zum großen Vergnügen der Leserin durchaus nicht immer wohlwollend, aber ungemein scharfsinnig beobachtet.
Doch Vorsicht: Mit ihren brillanten Wortspielen, ihrem außergewöhnlichen Sinn für groteske Situationen und ihrem beispiellos komischen Sprachstil macht Bax es schwer bis unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Nicht mal, um nach dringend benötigter Luft zu schnappen oder wenigstens die Lachtränen abzuwischen. Ich will mehr!

 

Anne Bax, Herz und Fuß. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2011

gelesen von Jule Blum