Anne Schlüter (Hrsg.in): Bildungs- und Karrierewege von Frauen. Bd. 2

11 Beiträge sind in diesem Band versammelt, in denen es in der einen oder anderen Form um Vereinbarkeit von Bildung, Beruf, Karriere und Kindern für Frauen geht. Gezeigt wird, dass das Gerede von Work-Life-Balance mittlerweile verschleiert, dass immer noch Frauen in ihrer Entwicklung gehemmt werden, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterhin als Frauenproblem gesehen werde. Zuerst werden den Frauen konsequent niedrigere Löhne gezahlt werden und dies führe wiederum dazu, dass junge Paare anscheinend ganz objektiv entscheiden, dass die Geringerverdienende die Elternzeit in Anspruch nimmt.

Unter dem Schlagwort der ‚Opt-out-Revolution’ geht es um die Frage, ob Frauen kritischer mit Karriereoptionen umgehen, höhere Ansprüche an eigene Verwirklichung stellen. Wie müssen die Bedingungen aussehen, zu denen hochqualifizierte Frauen Lust auf Karriere haben?

Dargestellt werden auch Lebensläufe verschiedener Frauen, welche Optionen sie wahrgenommen haben und auf welche Weise sie selbst ihre Biografien erzählen. War der Job im Mittelpunkt oder die Familie, hatten sie Probleme, das eine oder das andere zu integrieren?  Sehen sie Zeit als rares Gut, haben sie das Gefühl, etwas versäumt zu haben? Als Fazit steht, dass Bildungsveranstaltungen zum Erreichen eines effizienten Zeitmanagements in der Regel nur das Funktionieren von Frauen unter Bedingungen der Mehrfachbelastung zum Ziel haben.

Einschränkungen von Bildungs- und Karrierewegen sind besonders dramatisch bei allein Erziehenden – mittlerweile bereits jede fünfte Eltern-Kind-Gemeinschaft, Tendenz steigend! 84% der allein Erziehenden in Deutschland sind Frauen und das Armutsrisiko für diese Gruppe ist in unserem Land so hoch, wie kaum in einem anderen europäischen Land. Der Beitrag erhebt die Forderung sowohl nach Teilzeitstellen, als auch nach Teilzeitbildung, denn allein erziehende Sozialhilfeempfängerinnen sind überdurchschnittlich erwerbsorientiert!

Weiterhin stehen Mentoringprozesse im Zentrum der Untersuchungen, wobei der Schwerpunkt auf den Lerngewinn für die Mentorinnen gelegt wird.

Anschließend wird dargestellt, welche Bildungs- und Berufserfahrungen afrikanische Migrantinnen in Deutschland machen. Sie berichten von vielfältigen Diskriminierungserfahrungen, einer Entwertung des nach Deutschland mitgebrachten Bildungskapitals, haben erst nach kultureller (Spracherwerb) und struktureller (Erwerb deutscher Qualifikationen) Assimilation eine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Interessant zu lesen auch der Beitrag über Helene von Falkenhausen, die als Lehrerin in der deutschen Kolonie Südwestafrika tätig war. An ihrem Beispiel wird verdeutlicht, wie die Auslandserfahrung zur Konstruktion einer nationalen Identität diente.

Wie Aufstiegsbereitschaft entsteht, wird anhand von Biografien verschiedener Schulleiterinnen untersucht.

Alles in allem: Ein vielschichtiger Beitrag zur beruflichen Situation von Frauen.

 

überzeugt

 

Anne Schlüter (Hrsg.in). Bildungs- und Karrierewege von Frauen. Bd. 2. frauen- und Genderforschung in der Erziehungswissenschaft. Verlag Barbara Budrich. Opladen. 2006

 

gelesen von Elke Heinicke