Antje Schrupp: Was wäre wenn? Über das Begehren und die Bedingungen weiblicher Freiheit

Was kommt nach der Gleichstellung? In ihrem neuen Buch geht Antje Schrupp diesem überaus spannenden Thema nach. Trotz eines Wieder-In-Mode-Kommens des Begriffs Feministin, jedenfalls wenn frau bestimmten Internetforen, neuen Zeitschriften oder Romanen glauben darf, sind wir in den westlichen Gesellschaften von wirklicher Gleichstellung noch weit entfernt. Auch wenn viele Forderungen der ersten und zweiten Frauenbewegung ihren Einzug in Gesetze und gesellschaftliches Gender Mainstreaming gefunden haben, ist nach wie vor die Geschlechterdifferenz weit gehend unangefochtene Begründung für falsche und schädliche Dualismen, wie Geister der Körper, Privates oder Politisches, Natur oder Kultur. Auch Hierarchien lassen sich so wunderbar begründen.

In ihren Aufsätzen untersucht Schrupp,“wie sich kulturelle Selbstverständlichkeiten und eingefahrene Denkbahnen verändern, wenn die sexuelle Differenz als eine wirksame Kraft wahrgenommen wird.“ Es gibt unter anderem ausgesprochen spannende Kapitel zu Fragen wie: warum Emanzipation allein noch kein Feminismus ist, warum wir längst nicht mehr monogam sind – und warum das auch nicht schlimm ist, zu Neid, zu Sinn und Unsinn historischer Frauenforschung, zum Abschied von der „guten“ Mutter oder über das Müssen.

Was Antje Schrupp als überaus kluge feministische Philosophin und hellsichtige Analytikerin gesellschaftlicher Strukturen vor vielen anderen auszeichnet, ist ihr flüssiger, klarer und nachvollziehbarer Stil. Da klingt nichts verschwurbelt oder verquast, auch komplexe Zusammenhänge werden in verständlicher Sprache und – in solcher Art Texten bei weitem nicht selbstverständlich – interessant lesbar erklärt.

 

Antje Schrupp, Was wäre wenn? Über das Begehren und die Bedingungen weiblicher Freiheit. Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2010

 

gelesen von Jule Blum