Ariadnes Faden – gerissen?

Ich erlaube mir an dieser Stelle ein paar kurze nicht rezensionelle Gedanken zur Diskussion zu stellen.

Die Ariadne-Krimireihe gehört(e) seit den Grauen Faltern zu meiner Lieblingslektüre. Ich besitze sie komplett, was ihr selbst in unseren recht gut sortierten Bücherregalen eine Sonderstellung verleiht. Immer waren die Schwarz-Gelben verlässliche Garantinnen für erstklassige Unterhaltung, spannend, realistisch, feministisch. Anregender Lesestoff mit „Off-Mainstream-Touch“, wie der Verlag selbst stolz auf der Webseite wirbt.

Doch seit einiger Zeit mischt sich zunehmend Unbehagen in mein Lesevergnügen. Die Lesbenkrimis (für alle, die es nicht wissen: Das sind die Bände mit den ungeraden Nummern) werden fast alle von einer Hetera geschrieben – Christine Lehmann tut das sicherlich mit Geschick und erheblicher Grandezza – oder, für mich noch viel befremdlicher, von Mutter und Sohn. Fiel der kleine feministische Vorsatztext bei Bohnet/Pleitgens Freitags isst man Fisch noch etwas gewunden aus, um zu erklären, warum in der Ariadne-Reihe jetzt auch ein Mann veröffentlicht wird, so ist er bei Dominique Manottis Letzte Schicht gänzlich verschwunden. Völlig zu Recht, denn in diesem Buch sucht die Leserin vergeblich nach einer starken Heldin. Ich suche allerdings genauso vergeblich nach einem Grund, warum dieser Krimi in der Ariadne-Reihe erschienen ist.

Ich weiß, Verlage, vor allem kleine Verlage, haben es extrem schwer. Vermutlich kann ich mir nur einen Bruchteil des Drucks und der Zwänge vorstellen, denen sie ausgesetzt sind. Und vielleicht gehöre ich auch nur zu denen, die es nicht besonders mögen, wenn sich etwas ändert. Vor allem, wenn diese Veränderung den Verlust eines weiteren kleinen Stückchens Feminismus bedeutet.

Ich führe keinen Verlag. Und vermutlich ist das der Grund, warum es mir schwer fällt zu glauben, dass es die Rettung ist, genau dasselbe zu machen wie alle anderen auch. Der In-Mainstream-Touch sozusagen.

 

Jule Blum