Barbara Knödler: Der Geruch des Meeres.

Barbara Knödler: Der Geruch des Meeres.

Barbara Knödler: Der Geruch des Meeres.bestellen… Im Mittelpunkt der Geschichte steht die alte Frau. Ihren Namen erfahren wir nicht, selbst in Gedanken nennt sie sich die alte Frau. Sie hat ihre Lebensgefährtin verloren nach langer Krankheit, hat um diesen Verlust getrauert und nur schwer wieder ins Leben zurück gefunden. Jetzt ist sie unterwegs quer durch Europa, um alte FreundInnen zu treffen, Abschied zu nehmen und einen Ort zu finden, an dem sie ihren Lebensabend verbringen will.

Der erste Teil des Romans ist ein teilweise verwirrendes Hin- und Herreisen sowohl in der Realität, als auch in der Erinnerung, denn unsere Protagonistin ist als Autorin und Reisejournalistin und -fotografin Zeit ihres Lebens unterwegs gewesen. Dann trifft die Mittsiebzigerin in Paris die junge Kunststudentin Léa. Zwischen beiden entsteht eine Liebesbeziehung. Die alte Frau quält sich lange mit Zweifeln, ob Léa sie schön finden kann, ob es eine Verbindung über eine Kluft von fünfzig Jahren gelebter Zeit geben kann. Was allerdings den Ausschlag gibt, dass die Protagonistin sich dann doch mit Haut und Haaren auf diese Liebe einlassen kann und was die Beziehung auch auf längere Sicht Bestand haben lässt, kann die Autorin der Leserin nicht überzeugend vermitteln.  

 

Im zweiten Teil es Romans ist die alte Frau zu Besuch bei ihrem Freund Jean, der von Woche zu Woche schwächer, aber auch zufriedener wird und mit dem Sterben nur noch warten will, bis seine Urenkelin geboren wird. Während sie den Freund begleitet, schreibt sie die Geschichte ihrer Liebe zu Léa. Immer deutlicher nimmt die Idee eines Altersdorfes in ihren Gedanken Gestalt an. Im dritten und letzten Teil des Buches lebt die alte Frau dann umgeben von Vertrauten in ihrem Wohnprojekt und die Liebe zu Léa dauert fort.

Ein interessanter Stoff wurde in Barbara Knödels Erstlingswerk aufgegriffen. Allerdings bleiben die Figuren auffällig blutleer und farblos. Über lange Strecken wird doziert und beim Lesen wollen sich so gar keine stimmigen Bilder einstellen. Vielleicht wäre es für den ersten Roman angeraten gewesen, stärker aus dem Fundus des eigenen Erlebens zu schöpfen. Zweifelsohne hätte eine Autorin wie Knödler, die als Matrosin auf allen Weltmeeren zu Hause war, da eine Menge zu erzählen. Vielleicht erfahren wir ja das nächste Mal, wie das Meer denn wirklich riecht…

Barbara Knödler. Der Geruch des Meeres. Querverlag. Berlin. 2008

gelesen von Elke Heinicke