Bettina Heinzelmann: Das Vermächtnis des Wassers.

Bettina Heinzelmann: Das Vermächtnis des  Wassers.Selten trug ein Roman einen treffenderen Titel: Die Träume vom Ertrinken. Das Hochwasser der Donau. Der Blick von der steinernen Brücke in Regensburg. Das Unwetter auf dem finnischen See. Das Plätschern, wenn das Paddel ins Wasser taucht. Die unter der Dusche getauschten Zärtlichkeiten. Gewitter und Dauerregen. Ich konnte es förmlich vor mir sehen, es riechen und hören. Seite für Seite gab es Begegnungen mit dem nassen Element, manchmal auch rein metaphorisch:  Seite an Seite tauchten sie in die Menschenmenge ein, die sie wie ein breiter Fluss mit in die U-Bahnstation hinunterschwemmte.

Dem Treibholz blieb nichts anderes übrig, als sich über Wasser zu halten, wenn es nicht untergehen wollte. Und auch der Protagonistin Jo geht es ähnlich. Sie hat Probleme mit ihrer Chefin im Verlag. Sie wäre während des Finnlandurlaubs mit ihrer Geliebten fast ertrunken. Nun hat sie Alpträume, die sie auf die Spur eines wohlgehüteten Familiengeheimnisses führen. Und obendrein beginnt sie eine Beziehung mit einer verheirateten Tierärztin, die sie ihrer Partnerin ein halbes Jahr lang verschweigt. Dass dies alles geradewegs in eine Katastrophe führt, lässt sich leicht glauben. Es ist zwar nicht immer nachzuvollziehen, warum es für Jo derart existenziell wird, das Geheimnis um den lange vor ihrer Geburt verstorbenen Großvater zu lüften und den Kontakt zwischen ihrer Mutter und deren Schwester wieder herzustellen, aber Familiengeheimnisse entwickeln ja des öfteren eine von außen nicht nachvollziehbare Dynamik.

Auf jedem Fall gelingt es der Autorin, Jo als eine Person mit Stärken und liebenswerten Schwächen lebendig werden zu lassen. Es geht turbulent zu in Jos Leben. Die Leserin folgt ihr bereitwillig durch Hochs und Tiefs, in die Emotionalität der Trennungen, zu Begegnungen mit ihrem besten schwulen Freund, der gerade erfahren hat, dass er einen zehnjährigen Sohn hat, zum ersten Treffen mit dem Cousin und der Tante aus den USA, ins Elternhaus nach Straubing, bis nach Italien, dem Heimatland ihrer Ex.

Die Bilder vom Wasser werden konsequent durch die gesamte Handlung geführt: Feuchte, weiche Haut rieb sich an feuchter, weicher Haut. Etwas Straffung und ein paar Kürzungen hier und da hätten dem Ganzen vielleicht noch etwas mehr Biss gegeben. Aber alles in allem ist es Bettina Heinzelmann in ihrem Erstlingswerk glänzend gelungen, einen Spannungsbogen aufzubauen und bis zur letzten Seite zu halten. Wir dürfen gespannt auf mehr sein.

 

Bettina Heinzelmann: Das Vermächtnis des Wassers. Querverlag. Berlin. 2010 bestellen…

 

gelesen von Elke Heinicke