Carolin Schairer: Aprikose im Kopf.

Nachdem Carolin Schairer nun quasi zur Hausautorin des Ulrike Helmer Verlags avanciert ist, durfte die Leserinnengemeinde gespannt sein auf diese Neuerscheinung, denn der Themenbogen ist weit gespannt: Die Fernsehjournalistin Katja Dannhausen war jahrelang als Korrespondentin in Krisengebieten Afrikas tätig. Bilder des Schreckens aus Simbabwe, Kongo, Nigeria und Somalia haben sich ihr unauslöschlich eingebrannt. Zurück in Deutschland passt sie mit ihrem kritischen Blick nicht so recht zu ihrem Sender und landet prompt im ungeliebten Stadtfernsehen.  Platter Sensationsjournalismus liegt ihr jedoch so gar nicht. Ihre Schwester hat inzwischen eine Familie gegründet und ist beruflich überaus erfolgreich, doch sie verändert sich zusehends. Hat sie die Veranlagung zu einer schweren psychischen Erkrankung von der Mutter geerbt, die die Kindheit der beiden Frauen schwer belastete? Die dritte Protagonistin ist Irina, das russische Kindermädchen der Schwester. Sie hat ihr Studium abgebrochen und ist Hals über Kopf aus Russland geflohen, nachdem ihre erste lesbische Beziehung in die Brüche ging und ein Coming out sie mit erbitterter Homophobie selbst in ihrer Familie konfrontiert. Über die Romanhandlung wächst eine Beziehung zwischen Irina und Katja und nicht zuletzt eine lebensbedrohliche Erkrankung bringt die Schwestern einander wieder näher.

Viele, vielleicht sogar zu viele Themen für einen Roman, um sie tiefergehend beleuchten zu können, verglichen mit vorangegangenen Romanen der Autorin wird aber eine spürbar gewachsene Souveränität in der Erzählweise und der Stoffbewältigung sichtbar. Die Personen sind glaubwürdiger geworden.  Sprachlich gibt es immer noch Ungenauigkeiten wie zielgrichtet unterscheiden (S.32), da war wohl zielsicher gemeint? Katja ist … genauso redegewandt als vor der Kamera (S.38). Und eine Spur weniger kitschig ginge es doch auch: Da wird Schlittschuh gelaufen wie von Engelsflügeln getragen, Irina hat Augen wie sibirische Gebirgsseen (Ich wusste gar nicht, dass Sibirien für seine Gebirgsseen bekannt ist?), und am Schluss tanzen dann Schmetterlinge auf ihrer Haut.

Alles in allem: Mein persönlicher Favorit unter den Schairer-Romanen, den auch die nicht verpassen sollten, die von früheren Büchern der Autorin nicht überzeugt waren. Eine thematische Bereicherung für die Lesbenliteraturszene und auf die weitere Entwicklung der Autorin dürfen die Leserinnen  gespannt bleiben.

Carolin Schairer. Aprikose im Kopf. Ulrike Helmer Verlag. Sulzbach/ Taunus. 2011

gelesen von Elke Heinicke