Carolin Schairer: Ellen.

Carolin Schairer: Ellen.

Carolin Schairer: Ellen.Gibt es lesbische Trivialliteratur? Ja, es gibt sie und Carolin Schairer ist möglicherweise auf dem besten Weg, eine Queen of Lesbian Trash zu werden. Während ihr Erstlingswerk „Die Spitzenkandidatin“ durch sein günstig platziertes Erscheinen mitten im Vorfeld der letzten Bundestagswahl den Hauch einer politischen Brisanz erhielt, enthält sich der neue Schmöker gänzlich eines solchen Anspruchs. Im Prinzip geht es in beiden Büchern um das Eine: Junge, schöne, arme, unerfahrene Frau verliebt sich in reiche, schöne, etwas ältere Frau.

Liebe wird über einige Schwierigkeiten hinweg erwidert und überwindet jede soziale Kluft. Da fördert die erfolgreiche Karrierefrau Ellen McGill Nina, die Neue im Pressebüro, allerdings erst nachdem sie sie im Kopierraum sozusagen vergewaltigt hat. Böses Wort? Sie hat sich ja nicht mal gewehrt, sondern gleich einen Orgasmus gehabt. Und dann bekommt sie doch sogar einen von Ellens Designer Hosenanzügen geborgt. Sieht gleich ganz anders aus. Platt? Ach i wo! Selbst die Reichen und Schönen haben Kummer und Ellen ein dunkles Geheimnis, von dem alle außer Nina wissen. Aber Liebe überwindet jedes Hindernis, heilt alle Wunden, gell? Lesbisches Umfeld? Gib’s nicht. Braucht’s nicht, wo doch alle so schrecklich tolerant sind, dass die beiden Protagonistinnen ständig Sex in Ellens Büro haben, auf der weißen Ledercouch.
Also, wenn eine es als Satire liest, macht’s richtig Spaß. Warum sollen Lesben auch keine Trivialliteratur haben?

Carolin Schairer. Ellen. Ulrike Helmer Verlag. Sulzbach/Taunus. 2009

gelesen von Elke Heinicke