Carolin Schairer: Marie Anderswie

Schairer, Carolin - Marie anderswieStudentin Sarah bekommt als Sühne für das geschrottete Auto ihres Daddys den Auftrag, sich um Marie zu kümmern. Marie ist eine hoch begabte Molekularbiologin, die Sarahs Vater nur allzu gern in seinem Team hätte, die aber als schwierig und eigenbrötlerisch bekannt ist. Der anfängliche Unwille über diese Aufgabe wandelt sich von Faszination zur Verliebtheit, Sarahs Himmel könnte voller Geigen hängen, hätte Marie ihr nicht ein Geheimnis anvertraut: Grund ihres seltsamen, distanzierten Verhaltens ist das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus, unter dem Marie leidet.

Das Thema, dem Carolin Schairer sich in ihrem dritten Roman widmet, ist hochinteressant. Wie wirkt sich eine psychische Behinderung, eine emotionale Wahrnehmungsstörung wie das Asperger-Syndrom, auf eine Beziehung aus? Wie viel Normalität ist möglich im Nicht-Normalen? Wie viele Ansprüche auf erwartetes Verhalten setzt frau automatisch voraus, wenn sie sich auf eine Liebesbeziehung einlässt?

In großen Teilen ist Schairer die Auseinandersetzung mit diesen Fragen durchaus gelungen, manche Passagen wirken jedoch ein wenig hölzern und „wikipedisch“. Die Nebenhandlung ist leider sehr dünn und durchsichtig und dass eine 19-jährige so gänzlich reibungslos durch Coming-out marschiert, ist nur schwer vorstellbar. Nichtsdestotrotz ist Marie Anderswie ein wichtiges Buch mit einer wichtigen Mission. Ich wünsche ihm viele Leserinnen, die sich dadurch angeregt mit dem großen Thema sozialer Behinderungen auseinander setzen.

Carolin Schairer, Marie Anderswie. Ulrike Helmer Verlag Sulzbach/Ts. 2010

gelesen von Jule Blum