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Lakhashmir liebt Latte

Lakhashmir liebt Latte

Also, Lakhashmir hat ja so ihre Grundsätze. Sie ist prinzipiell gegen jede Art von Konsum und ganz besonders gegen Imbissketten. Die stellen für sie die Reinkultur genau jenes irrwitzigen Konsumwahns dar. Bio, fair trade, regional und nur die unabhängigen kleinen Läden unterstützen -lautet ihre Maxime. Beim Kaffee ist sie allerdings schnell an ihren Grenzen, mit regional ist da leider nix und überhaupt, auch Lakhashmir hat nun mal die eine oder andere Schwäche. Das kann sie sich, wenigstens was den Kaffee angeht, auch langsam eingestehen. Schließlich hat sie sich wirklich tapfer bemüht. Angefangen von der politisch korrekten Gepa-Brühe der frühen 80er , die so sauer war, dass sie ihr Löcher in die Magenwände brannte über die verschiedenen gruselig- kreativen Getreideersatzmischungen bis hin zur Röstung selbst gesammelter Wegwarte und Eichelvorräte, letztere wochenlang im Spülkasten der Toilette gewässert, hat Lakhashmir in der Tat nichts ausgelassen. Gelernt hat sie daraus nur eines: An einen richtig gut gemachten Latte Macchiato kommt nichts heran. So richtig perfekt in drei feinen Lagen, mit dickem, leise kni sterndem Milchschaum, einem Hauch braunem Zucker darüber, aahhh! Doch lei der, leider. Wo gibt es diese Köstlichkeiten in verführerischer Vollendung? In den geschmähten Ketten mit einem Stern oder dem goldenen M im Namen. Lakhashmir hasst es, aber hingehen tut sie trotzdem. Selbstquälerisch und voll des schlechten Gewissens. Wenigstens nimmt sie immer ihren eigenen Kaffeebecher von zu Hause mit. Um Müll zu vermeiden. Obwohl es jedes Mal Diskussionen gibt, weil er so schlecht unter die Maschine passt. Das liegt garantiert nur daran, dass die dort so blöde Bechergrößen haben. Wer soll sich denn auch auskennen, wenn die kleineste Größe tall heißt. Nach der leidigen Streiterei um die mitgebrachte Tasse wird es dann immer richtig schwierig. Auch wenn sich Lakhashmir vorher alles noch so gut überlegt hat, ist sie jedes Mal wieder überrascht, wie viele Entscheidungen dann doch wieder spontan zu treffen sind. Soja- oder Kuhmilch? Fettarm oder vollfett? Sahne oder nicht? Welche Kaffeesorte? Welche Röstung? Welches Herkunftsland? Aromazusatz oder nicht? Espresso oder Filterkaffee?

Wenn Lakhashmir all diese Entscheidungen getroffen hat, reicht die Schlange hinter ihr regelmäßig bis zur Tür raus. Und dann kommt auch schon die nächste Hürde. Immer wollen die ihren Namen wissen, um ihn albernerweise auf den Becher zu schreiben. Dreimal muss sie ihn mindestens jedes Mal wiederholen, meistens sogar buchstabieren. Aber dabei nimmt dann immer die Unruhe hinter ihr schon langsam tumultartige Ausmaße an. Lakhashmir hat bereits überlegt, sich kleine Aufkleber zu drucken und mitzubringen. Denn von den Verstümmelungen ihres schönen Namens hat sie ganz schön die Nase voll. Neulich hat doch so ein junger Schnösel tatsächlich Lactose- frei auf ihren Becher gekritzelt. Und das auch noch mit Edding. Ging kaum wieder ab. Ein hoher Preis, den sie da für ihren Kaffeegenuss zahlt.

Also, ehrlich jetzt mal!

Eure Lakhashmir.

Lakhashmir liest

Also gelesen hat Lakhashmir ja schon, seit sie buchstabieren konnte. Oft genug heimlich unter der Bettdecke. Ach, was ist das herrlich, in fremde Welten abzutauchen. Ihr komplettes Taschengeld ging für Bücher drauf. Und später hat sie in den Ferien sogar gearbeitet, nur um ein heißersehntes Buch kaufen zu können. Und noch später haben sie Bücher wie gute Freundinnen durchs Coming-out begleitet. Ihren Ehrenplatz im Regal haben sie bis heute – die Häutungen, der Rubinrote Dschungel und das mit der Scham, die endlich vorbei war. Und wie oft hat sie mit Stoner und Gwen gelitten. Doch ihr Lieblingsbuch ist immer noch Die Brache von Eveline Ratzel. Ach, was für eine großartige FrauenLesbenwelt!

Lakhashmir seufzt tief. Das war noch richtige Lesbenliteratur. Damals. Sowas gibt es heute ja gar nicht mehr. Lakhashmir seufzt noch tiefer. Nein, und deshalb kauft sie auch keine Bücher mehr. Was sie lesen will, borgt sie lieber von Freundinnen. Sie hat den ganzen Konsum sowieso satt. Bis obenhin. Borgen statt kaufen; der Satz ist eine ihrer Lebensmaximen. Soll doch die ganze Verlagsindustrie zum Teufel gehen.

Lakhashmir seufzt das dritte Mal. Nichts ist mehr wie früher. Da hat sie oft nachmittagelang gemütlich im Frauenbuchladen gesessen und geschmökert. War klasse, sogar Tee gab es gratis. Und Vollwertkekse. Manchmal. Wunderbar. Aber die Frauenbuchläden gibt es ja nicht mehr. Warum eigentlich bloß? Also Lakhashmir ist jedenfalls oft dort gewesen.

In den großen Buchhandelsketten heutzutage ist es einfach nicht mehr so gemütlich. Und die sehen es auch gar nicht so sehr gerne, wenn sich Lakhashmir dort für Stunden häuslich einrichtet. Ständig kommt jemand an und fragt, ob man ihr helfen könne. Lästig!

Also bleibt ihr doch gar nichts anderes übrig, als Bücher zu borgen. Da kann eine auch gleich sehen, was sie für Freundinnen hat. Manche stellen sich total an, sind regelrecht geizig, wollen ihre Bücher kaum rausrücken. Lakhashmir kann das nicht verstehen. Angeblich würden die Bücher nicht zurückgegeben. Nur, weil Lakhashmir den letzten Lesbenroman ein halbes Jahr bei sich hatte. Was hat Dörte sich aufgespielt. Frau kann doch schließlich mal was vergessen. Das nächste Mal hat Lakhashmir sich extra Mühe gegeben. Jede freie Minute hat sie den Krimi gelesen, sogar in der Badewanne und dann war es wieder nicht recht: Das Buch hätte Wasserflecken und welle sich. Kleinlich, findet das Lakhashmir. Bücher sind doch zum Lesen da. Wenn sie welche kaufen würde, also dann würde sie sie auch ganz großzügig verleihen und sie nicht wie Dörte am liebsten für sich behalten.

Jetzt hat sich Lakhashmir auch mal diese neuen elektronischen Dinger angesehen. E-Books. Hm. Die riechen dann nicht mehr nach Buch, was schade ist. Und fühlen sich auch nicht so an. Aber große Schrift und immer richtig beleuchtet. Vielleicht bewahrt das Lakhashmir doch noch mal vor einer Lesebrille? Und wenn frau die Dateien problemlos kopieren kann, müsste sie nicht mehr das Theater mit Dörte haben.

Frau muss schließlich mit der Zeit gehen.

Ehrlich jetzt mal.

Eure Lakhashmir

Lakhashmir zieht (vielleicht) um

Schon ziemlich lange wohnt Lakhashmir in ihrer gemütlichen Altbauwohnung, 3 Treppen hoch. Jugendstil, dilettantisch restauriert, aber immerhin. Kleine Küche. Bad mit klauenfüßiger Badewanne. Blick über die Dächer der Stadt.

Doch wenn alle ringsum von neuen Wohnformen reden, will auch sie nicht zurückstehen. Wäre doch gelacht. Im letzten Stadtmagazin hat sie ein paar Annoncen angekreuzt. Wird sie sich mal ansehen. Das dickste Kreuz hat die Anzeige von der Frauen-Land-WG bekommen. Da ist sie gleich hingefahren. War nicht eben einfach: Drei Busse am Tag, während der Schulferien nur zwei. Landleben ohne Auto scheint ein Problem zu sein. Die Frauen waren eigentlich nett, das Haus ein wenig desolat. In einem ewig schattigen Tal kroch Feuchtigkeit schon seit Ewigkeiten die Wände hoch. Hätte Lakhashmir vielleicht aus ideologischen Gründen noch drüber hinwegsehen können, aber 15 Kilometer Luftlinie zu ihrem Lieblingscafé? Und die frischen Kräuter aus dem Bioladen wären ja welk, bis sie hier draußen ankäme. Nein, Landleben ist wohl doch nichts für sie.

Die nächste Adresse versprach ein Mehrgenerationenhaus. Klang doch auch nicht verkehrt. Lakhashmir erzählt jungen Frauen gern von ihren eigenen wilden Jahren. Und etwas feministische Bildung würde Heranwachsenden auch nicht schaden. Bei ihrem Besuch im Haus missfiel Lakhashmir allerdings der Lärm. Fußball spielende Mädchen auf dem Hof, lärmende Kleinkinder auf dem Balkon über ihrer potenziellen Wohnung. Sollte sie womöglich noch die Babysitterin spielen? Ausgerechnet Lakhashmir, die sich ein Leben lang gegen Reproduktionsarbeiten verwehrt hat. Und das schließlich aus gutem Grund. Was wird denn aus den feministischen Theorien, wenn sich alle so bereitwillig in die Rollenklischees fügen?

Ist sie lieber weiter gezogen. Eine Lesben-WG stand ja auch noch auf ihrer Liste, gar nicht weit entfernt von ihrer jetzigen Wohnung. Dort ist sie mitten im Plenum gelandet – oder wie die jungen Frauen das heute nennen mochten. Jedenfalls saßen alle um den Küchentisch und baten Lakhashmir kurzerhand dazu. Worüber geredet wurde, war ihr nicht immer klar. Von Weiblichkeiten, die sie als MitbewohnerSternchenUnterstrichInnen haben wollten. Weiblichkeiten? Klang irgendwie altertümlich und schrecklich verstaubt. Und dann hieß es aber plötzlich, dass Lesben-WG als Titel ihrer Wohnform doch längst obsolet war. Häh? Lakhashmir hat sich in der Runde umgesehen: Ihre Nachbarin trug Zöpfe und Vollbart, dazu Minirock und Springerstiefel und häkelte hingebungsvoll einen Spitzenrand an eine Unterhose. Na, das war ganz sicher auch nichts für Lakhashmir.

Letzte Station: FrauenLesbenWohn- Projekt RotSchwarz40+. Das klang doch feministisch-spirituell-vertrauenswürdig in Lakhashmirs Ohren. Lakhashmir wurde ganz liebenswürdig zu einer Besichtigung eingeladen. Rosalie, die sie empfing, zog sie gleich in ihre Wohnung. Bei ein paar Tassen scheußlichen Tees vertraute sie ihr komplizinnenhaft an, dass Maria nie die Haustür abschließt, Annes Katze ständig in den Hausflur pisst, Hanna ihren Balkon grauenhaft mit Gartenzwergen(!) dekoriert und Sabine schon das dritte Mal in diesem Jahr Übernachtungsbesuch gehabt hat. Lakhashmir ist geflohen, ehe sie die jeweils andere Version der Geschichten auch noch hätte anhören müssen. Auch Hanna hat auf dem Weg zur Haustür versucht sie abzupassen. Deren Tür steht nämlich immer einen Spalt breit offen. Und hinter Marias Küchenfenster hat sich die Gardine ganz verdächtig bewegt.

Erschöpft ist Lakhashmir in ihr trautes Heim zurückgekehrt. Urbane Lebensqualität, ungestörte Ruhe, echter Feminismus, so wie er zu sein hat, Freiheit von sozialer Kontrolle und keine Eigenheiten außer ihren eigenen. Allein zu leben ist doch gar nicht so verkehrt.

Ehrlich jetzt mal!

Eure Lakhashmir

Lakhashmir liebt’s sinnlich…

Also, Lakhashmir ist ja schon immer der Meinung, dass Lesbischsein nicht auf Sexualität reduziert werden sollte. Obwohl, was heißt reduziert? Dieses Prickeln, die Schmetterlinge im Bauch. Tolles Gefühl. Lakhashmir hat da neulich nämlich eine großartige, umwerfende Frau kennen gelernt. Im Urlaub. Jeden Tag auf dem Weg zum Strand sind sie sich begegnet. Und als es dann einmal nur ganz wenig, fast gar nicht geregnet hat, viel weniger als an den Tagen zuvor, haben sie zusammen eine Strandburg gebaut. Ach, romantisch war das. Und plötzlich brachen die Wolken auf und beim Sonnenuntergang haben sie sich eine Bionade geteilt. Wunderbar… Ob sie miteinander…?

Na, frau sollte nichts überstürzen, findet Lakhashmir. Sich erst mal warm reden, denn Sex geht doch wirklich nur aus einem innigen Gefühl heraus, sollte stets Ausdruck einer kosmischen Verbundenheit sein, oder? Das ist eines ihrer Prinzipien. Mindestens genauso unumstößlich: Sex gepaart mit Konsum ergibt Prostitution. Das hat sie der Traumfrau unmissverständlich auseinandergesetzt. Wahre Liebe braucht keine Hilfsmittel. Wozu hat uns denn die Göttin Hände, Lippen und Zungen geschenkt? Wenn eine phallische Dinger zum Glücklichsein braucht, nee, danke. Dann kann sie doch eigentlich gar keine echte Lesbe sein, oder? Patriarchaler Sex – ohne Lakhashmir. Überhaupt: Dildos! Pene-, ach Lakhashmir mag das Wort gar nicht in den Mund nehmen. Wenn sie über Sex spricht, dann klingt es nach spielenden Delfinen und duftenden Blütenblättern, nach schäumenden Wellen, nach Muscheln und perlmutternen Perlen. Matriarchal eben. Oh, Mutter-Göttin!

Hm, wie gern hätte Lakhashmir ihrer Schönen dort am Meeresstrand doch das Mangoschösslein benetzt, zu dumm, dass die wohl der Mut verließ, kaum dass Lakhashmir so richtig in Fahrt gekommen war. Und dabei hatte sie ja noch gar nicht damit angefangen, vom Zauber des Mondblutes zu den Kernthesen aus den Ketzerinnen überzuleiten. Völlig unerotisch die Lesben heutzutage, findet Lakhashmir.

Ehrlich jetzt mal!

Eure Lakhashmir

Lakhashmir plant die Zukunft

Lakhashmir hat von der Denkwerkstatt des Lesbenrings gelesen. Spannende Sache! Sie macht sich auch gern so ihre Gedanken über die Zukunft. Im Allgemeinen und im Speziellen. Na ja, eigentlich mehr so im Speziellen, wenn sie ehrlich ist. Nämlich zum Beispiel darüber, wie das werden soll mit dem Wohnen. Im Alter, wenn sie grau und klapprig ist. Da wäre so ein Lesbenwohnprojekt doch eine feine Sache. Aber es ist wie verhext. Je länger sie drüber nachdenkt, um so schwieriger scheint die Sache zu werden. Lakhashmir plant die Zukunft weiterlesen