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Begrüßungsrede des Lesbenring e.V. für das Eröffnungsplenum zum Hamburger LFT 2010

Liebe Lesben, liebe Hamburger Orgas,

ich überbringe die allerherzlichsten Grüße der Mitfrauen, der Gruppen und Mitfrauenorganisationen, der Aktiven und des Vorstands des Lesbenrings. Und ganz besonders herzlich begrüße ich natürlich unsere hier im Saal anwesenden Mitfrauen.

Jedes Jahr zum LFT vor so vielen Lesben zu stehen, die in Erwartung eines bunten und abwechslungsreichen Programms aus der ganzen Republik und weit über deren Grenzen hinaus von Südafrika bis Russland angereist sind, ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Gestattet mir jetzt gemeinsam mit diesem Blumenstrauß den Hamburger Orgas mein Herz zu Füßen zu legen und danke zu sagen. Dies ist ein Dank für die in den vergangenen zwei Jahren geleistete Vorbereitungsarbeit, aber auch eine Würdigung dafür, dass die Orgagruppe sich intensiv mit Feminismus und Queertheorien auseinandergesetzt, inhaltlich politische Schwerpunkte erarbeitet und somit den Gedanken des LFT weiter entwickelt hat.

Das LFT ist der höchste lesbische Feiertag, fest verankert im Jahresplan vieler Lesben. Das LFT ist ein sichtbarer Teil der Lesbenbewegung. Oft wird in Zweifel gezogen, ob es sie überhaupt noch gibt, die Lesbenbewegung. Ich bin kühn genug zu behaupten: Es gibt sie! Sie bewegt sich!
Wenn Jahr für Jahr über Tausend Lesben das Bedürfnis haben sich zu treffen, miteinander zu diskutieren und sich auszutauschen, dann ist etwas in Bewegung. Wenn ich die Ankündigungen von Workshops auf dem diesjährigen LFT angefangen von Sichtbarkeit der Lesben in Politik und Öffentlichkeit über lesbische Kapitalismuskritik bis hin zu Lesben am Arbeitsplatz lese, dann wird klar, dass Lesben sich in das politische Geschehen einmischen.

Da die hier angereisten Lesben nur ein winziger Teil ihrer jeweiligen Freundinnennetzwerke sind und auch die daheim Gebliebenen nicht vergessen werden sollen, haben wir in diesem Jahr die zweite Ausgabe der Lesbenbriefmarke mitgebracht. Für Briefschreiberinnen und Philatelistinnen ist sie während des LFTs am Lesbenringstand zu erwerben.

Eine Bewegung lebt, wenn sie neue Gedanken entwickelt. Unsere Umwelt verändert sich tagtäglich. Neoliberalismus, Nord-Süd-Gefälle, Globalisierung, Gentechnologie, Massenmord an MigrantInnen an den europäischen Außengrenzen, Umweltkatastrophen und Entwicklung von Umwelttechnologien, lesbischer Babyboom, Homoehe in vielen Ländern, aber auch Diskriminierung und Bedrohung von Lesben in anderen Teilen der Welt, neue Möglichkeiten der Vernetzung, aber auch der umfassenden Kontrolle in den Weiten des WWW – um nur einige wenige Schlagworte zu nennen.

Wie kann ein lesbischer Blickwinkel auf unsere Welt aussehen? Welche unserer Positionen halten mit den Entwicklungen Schritt? Welche müssen überdacht, eventuell modifiziert werden? Welchen Beitrag können Lesben leisten, um unsere Welt zu einem freundlicheren Ort für alle zu machen?

Jeder Veränderung gehen Gedanken, die sich zu Utopien verdichten, voraus. Und weil Denken Spaß macht, lädt der Lesbenring seit nunmehr zwei Jahren zu Denkwerkstätten ein. In diesem Jahr ging es um Vernetzung, sowohl real als  auch virtuell, sowie um deren konkrete Umsetzung. Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit einer lesbischen Analyse der aktuellen ökonomischen Situation, den Möglichkeiten der Einflussnahme und der Formulierung von entsprechenden politischen Zielen. Um diese Gedanken – oder auch ganz andere – weiter zu spinnen, laden wir euch am Sonntag 17.00 Uhr zur Blauen Stunde. Die Blaue Stunde ist die Zeit, in der der Tag langsam in den Abend übergeht, die kreativste Zeit des Tages, wenn die Dinge ihre festen Konturen verlieren. Es wird Raum geben, Standpunkte zu erarbeiten, vorzustellen und zu erproben. Raum, um in Bewegung zu kommen oder zu bleiben – denn jede Bewegung beginnt mit Gedanken.

Ich freue mich auf viele sprühende Mit-, Vor-, Nach-, Quer-, Weiterdenkerinnen!

 

Elke Heinicke, Pressesprecherin des LR e.V.