Archiv der Kategorie: Rezensionen 2008 1. Halbjahr

pro:fem (Hg.): Das feministische Dschungelbuch. Expedition durch den Alltag.

Viel Arbeit in die Vorbereitung der letzten Veranstaltung gesteckt und dann vor leeren Stuhlreihen gesessen? Die alljährliche Vorbereitung der Frauentagsveranstaltung treibt den Verantwortlichen nur noch ein Gähnen ins Gesicht? Frauen/Lesbenpolitik ist längst alltägliche Routine und schlichtweg langweilig geworden?
Nun wenn das so ist, dann ist das Dschungelbuch die richtige Lektüre zur rechten Zeit. Auch den 9 Vertreterinnen Hamburger Mädchen- und Frauenprojekte war die immer größer werdende Kluft zwischen Pflichtbewusstsein einerseits und Frustration und Langeweile andererseits sauer aufgestoßen. Die Luft ist raus.

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Judith Schoenen: Das Image der Frau. Wege zu einem neuen Selbstbild.

Schoenen stellt Fragen in der Art Wie zeitgemäß ist es, einen “typisch weiblichen“ Beruf zu wählen, bei der Geburt des ersten Kindes den Beruf aufzugeben, in die Karriere des Mannes zu investieren statt in die eigene, durch Teilzeitarbeit eine niedrige Rente vorzuprogrammieren, lieber gefallen als respektiert werden zu wollen? Sie erinnert daran, dass laut einer Brigitte-Umfrage von 2006 „gefühlvoll sein“ als die am höchsten bewertete weibliche Eigenschaft hervorging, wohingegen „ehrgeizig oder erfolgreich sein“ niedrig punkten, „karrierebewusst sein“ aber ebenso wie „egoistisch sein“ auf dem untersten Treppchen landeten.

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Hildegard Steger-Mauerhofer: Halbe/Halbe. Utopie Geschlechterdemokratie.

Der Milena Verlag hat ein neues Logo und auch sonst ein paar Neuerungen. Allerdings liegen diesen Herbst vornehmlich Sachbücher auf meinem Lesestapel. Um allerdings zu orakeln, ob dies eine Neuorientierung des Verlags bedeutet – die vielleicht nicht nur ich schmerzlich betrauern würde – ist es zu früh. Warten wir es ab.
Neu ist auch die Covergestaltung, die sich jetzt aber im modernisierten Look weniger von der allgemeinen Buchlandschaft abheben wird. Milena ist auf den ersten Blick sachlicher geworden, überrascht wird aber diejenige, die das Buch zur Hand nimmt: Haptisch interessant und im direkten Sinne des Wortes mit den Fingerspitzen erfahrbar. Mir gefällt’s.

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Vilja Limbach: Malthus’ Welt.

Vilja Limbach: Malthus’ Welt.bestellen… Seit mehr als 150 Jahren tot, spukt Malthus noch immer durch die Köpfe – und das beileibe nicht nur bei BWL-Studenten. Er war – zumindest in Europa – der erste Inhaber eines Lehrstuhls für «Politische Ökonomie» und im 19. Jahrhundert wohl der bekannteste Gesellschaftstheoretiker nach Marx. Mit seinen Beiträgen zur Produktions- und Geldtheorie  hat er ebenso Wissenschaftsgeschichte geschrieben wie mit seinen Theorien zur Bevölkerungsfalle (Die Bevölkerung wachse schneller als die Menge der produzierten Lebensmittel). Kritisiert wurde er dafür, den Armen die Schuld an ihrem Schicksal zu geben sowie das Privateigentum als eine Einrichtung zum Ansporn für den Einzelnen und für die gesellschaftliche Entwicklung zu begrüßen. So vielschichtig Thomas R. Malthus’ Theorien sind, er hätte nicht zwingend Namensgeber des Romans werden müssen. Manch anderer Name bis hin zu Herrn Hartz hätte sich angeboten und sich der Leserin leichter erschlossen.

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Anne Bax: Rachel ist süß. Erzählungen.

Anne Bax: Rachel ist süß. Erzählungen.bestellen… Wenn sich Anne Bax mal wieder so ihre Gedanken macht über Höhen, Tiefen und unvorhergesehene Kurven im lesbischen Leben, ist für ausgesprochen vergnügliche Leseunterhaltung gesorgt. Ob sie sinniert über Lesben und Autoaufkleber, darüber, wie lange erst mal denn nun dauern könnte oder nachdenkt über die Liebe zu Navigationsgeräten, ihre pointierten Blitzlichter auf die mehr oder weniger absurden Obliegenheiten lesbischen Alltags sind funkelnde Kleinodien, raffiniert geschliffene Edelsteine der satirischen Erzählkunst, eingefasst mit einer feinen Portion Selbstironie. Ihre kleinen feinen (und oftmals vergnüglich gemeinen) Geschichten sind perfekte runde Perlen, eine Qualität, die sich in ihren längeren Geschichten leider ein wenig verwässert.

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