Archiv der Kategorie: Rezensionen 2011 2. Halbjahr

Sarah Waters: Die Muschelöffnerin

Nancy muss schon als Kind im Restaurant ihrer Eltern als Muschelöffnerin arbeiten, ein hartes Leben mit nur wenigen Zerstreuungen. Aber als sie die Sängerin Kitty auf der Bühne der Music Hall in Canterbury sieht, ist in Nancys Leben plötzlich nichts mehr, wie es war. Völlig hingerissen verfällt sie Kittys Charme, verlässt ihr Zuhause und folgt der Angebeteten nach London. Doch Kitty schafft es nicht, ihre Liebe zu Nancy offen zu leben und die Beziehung der beiden zerbricht. Nancy gerät in die Fänge der reichen Diana und ihrer Damen des Cavendish-Clubs, denen sie als bloßes Sexspielzeug zu Diensten sein muss. Doch glücklicherweise findet lesbisches Leben auch im Viktorianischen Zeitalter nicht nur in Künstlerinnenkreisen und unter versnobten Ladys statt…

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Ulrike Voss: Einmal im Dunkeln.

Anna aus Berlin macht Urlaub auf einer kanarischen Insel. Ohne ihre Liebste – in der Langzeitbeziehung ist die Leidenschaft sowieso etwas abgekühlt und es gibt den einen oder anderen Reibungspunkt. Aufgrund eines Sturms verschiebt sich dann der Rückflug und Anna  genießt die geschenkte Zeit und verbringt den Abend in einer Bar.  Als sie dort im Schummerlicht einen Streifen Haut zwischen Hosenbund und kurzem Oberteil einer Fremden aufblitzen sieht, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Ein wenig ziert Anna sich noch, doch dann hält der Roman, was das Cover versprochen hat:  Zwischen Anna und Lucía entspannt sich ein Abenteuer aus Lust, Sex, rasanten Autofahrten, aufregenden Begegnungen, atemberaubenden Orten – allesweit jenseits der Alltäglichkeit einer Langzeitbeziehung.  Wie schon ein wohlbekannter Lesbenfilmklassiker  bezieht der erotische Roman einen guten Teil seines exotisch-glamourösen Flairs aus der Zirkuswelt, in die Lucía Anna entführt.

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Claudia Breitsprecher: Auszeit

Breitsprecher, Claudia - AuszeitDie Bundestagsabgeordnete Martina Wernicke zieht sich in ein abgeschiedenes märkisches Dorf zurück, in das Ferienhaus einer Parteifreundin, um eine dringend benötigte Auszeit zu nehmen. Mit knapper Not überlebte sie ein Attentat und auch wenn die äußerlichen Wunden verheilt scheinen, bestimmen die Folgen des Anschlags noch immer ihr Leben. Doch will sie es tatsächlich zurückhaben, genau so, wie es vor dem fürchterlichen Ereignis gewesen ist? Hatte ihre Freundin sie nicht deshalb verlassen, weil es außer der politischen Arbeit für nichts anderes mehr Kraft, Raum und Zeit gegeben hatte? Martina Wernicke nutzt den Sommer auf dem Land um herauszufinden, welche Inhalte ihr Leben zukünftig bestimmen sollen, nutzt ihn, um sich ihren Ängsten zu stellen und sie zu überwinden und nutzt ihn nicht zuletzt auch für Begegnungen mit Menschen, die in ihrem Alltag als Berufspolitikerin nur noch als Beispiele oder Zahlenmaterial vorkommen.

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L-Kalender 2012. Lesbischer Kalender. konkursbuch Verlag

L-Kalender 2012. Lesbischer Kalender. konkursbuch VerlagDie Zeit eilt, Wochen und Monate fliegen nur so dahin. Zwar haben wir uns schon längst daran gewöhnt, dass Lebkuchen und Stollen gegen Ende des Sommers in den Supermärkten auftauchen und geben nichts mehr auf solche Zeichen. Doch nichtsdestotrotz wird der Abreißkalender dünner und es geht tatsächlich auf das Jahresende zu. Ein eindeutiges Indiz ist das Erscheinen der neuen Kalender.

Und hier ist er wieder: Der L-Kalender vom konkursbuch Verlag. Wieder handlich im Postkartenformat, solide gebunden, dieses Mal mit einem farbigen Covermotiv von Anja Müller.  Großzügiges Kalendarium, Lesebändchen, Adressverzeichnis von Frauen/Lesbenorten, Zeitschriften, online-Magazine. Eine Menge queerer Termine sind auch schon vorgemerkt, das LFT in Nürnberg und die Party zum  30. Geburtstag des Lesbenrings muss die Nutzerin selbst nachtragen. Da lag der Redaktionsschluss deutlich zu zeitig.

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Nathalie Percillier: In the Milk

Nathalie Percillier - In the Milk: Die Abenteuer einer Kuh von schlichtem GemütNun, dieses Mal liegt es nicht am Wasser, die Milch macht‘s. Sie ist leuchtend blau und macht nicht unbedingt lesbisch, aber glücklich. Warum das so ist, erhellt sich nicht unbedingt, wie so manches an der skurrilen Geschichte. Es geht  durchaus um ernstzunehmende Themen: Genmanipulation im Kampf gegen den Hunger in der Welt. Lucy Fair hat für ihre Recycling-Kuh den Nobelpreis erhalten, ist eine Berühmtheit, eine Despotin und unermesslich reich dabei geworden. Es geht um Globalisierung und die Nutznießer, die in diesem Fall ein Hotel bzw. ein Altenheim gesponsert haben wollen, um das Geschäft mit der Hilfe für Entwicklungsländer.

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