Archiv der Kategorie: Rezensionen 2012 1. Halbjahr

Corinna Waffender: Sterben war gestern

In einer Rehaklinik an der Ostsee erholt sich KHK Inge Nowak, Serienheldin mittleren Alters mit mehr oder minder kleinen Macken, von den Folgen eines Autobombenanschlags und stolpert dabei sehr un(frei)willig in ihren mittlerweile dritten Fall. Eine ermordete Patientin, eine andere spurlos verschwunden und Berlin ist weit weg – Inge Nowak bleibt gar nichts anderes übrig, als sich allein an die Ermittlungen zu machen. Denn die Zeit, einen weiteren Tod zu verhindern, wird immer knapper…

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Elke Weigel: Fußballtöchter

Elke Weigel: Fußballtöchter

Deutschland 1970 – aus heutiger Sicht tiefes feministisches Mittelalter und doch eigentlich noch gar nicht so lange her. Die frühen Nachkriegsjahre haben die Frauen zurück in Küche und Kinderzimmer gezwängt, Arbeiten ohne Genehmigung des Gatten ist untersagt, die Versorgung von Vätern, Brüdern, Ehemännern bildet Sinn und Zweck weiblichen Lebens. Da ist es natürlich undenkbar, dass Frauen eigene Interessen entwickeln oder sich gar in Männerdomänen wie Fußball vorwagen. Denn auch der sogenannte Damenfußball ist verboten. Trotzdem gibt es für Susi nicht Schöneres, als mit ihren Freundinnen zu kicken und ganz allmählich entwickelt sich nicht nur eine erfolgreiche Frauen“mann“schaft in der Enge des schwäbischen Dorfes, sondern die Frauen merken, dass sie ihre Interessen nicht nur auf dem Fußballplatz durchsetzen können und müssen. Susi fühlt sich von Gerda, Tochter des Bürgermeisters und umtriebige „Emanze“, sehr angezogen, doch immer scheint in der heimlichen Beziehung der beiden etwas zu fehlen.

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Carolin Schairer: Aprikose im Kopf.

Nachdem Carolin Schairer nun quasi zur Hausautorin des Ulrike Helmer Verlags avanciert ist, durfte die Leserinnengemeinde gespannt sein auf diese Neuerscheinung, denn der Themenbogen ist weit gespannt: Die Fernsehjournalistin Katja Dannhausen war jahrelang als Korrespondentin in Krisengebieten Afrikas tätig. Bilder des Schreckens aus Simbabwe, Kongo, Nigeria und Somalia haben sich ihr unauslöschlich eingebrannt. Zurück in Deutschland passt sie mit ihrem kritischen Blick nicht so recht zu ihrem Sender und landet prompt im ungeliebten Stadtfernsehen.  Platter Sensationsjournalismus liegt ihr jedoch so gar nicht. Ihre Schwester hat inzwischen eine Familie gegründet und ist beruflich überaus erfolgreich, doch sie verändert sich zusehends. Hat sie die Veranlagung zu einer schweren psychischen Erkrankung von der Mutter geerbt, die die Kindheit der beiden Frauen schwer belastete? Die dritte Protagonistin ist Irina, das russische Kindermädchen der Schwester. Sie hat ihr Studium abgebrochen und ist Hals über Kopf aus Russland geflohen, nachdem ihre erste lesbische Beziehung in die Brüche ging und ein Coming out sie mit erbitterter Homophobie selbst in ihrer Familie konfrontiert. Über die Romanhandlung wächst eine Beziehung zwischen Irina und Katja und nicht zuletzt eine lebensbedrohliche Erkrankung bringt die Schwestern einander wieder näher.

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Shamin Sarif: Mitten ins Herz. I can`t think straight

Tala, palästinensische Christin aus reichem Hause, hat bereits drei Hochzeiten platzen lassen und auch vor der anstehenden vierten schwant ihrer ausgesprochen auf das familiäre Renommee bedachten Mutter nichts Gutes. Obwohl der aktuelle Verlobte ein wahrer Traumtyp ist, hat Tala seit der ersten Begegnung nur noch Augen für Leyla, die Freundin eines Freundes ihres Zukünftigen. Allen Versuchen der Mutter zum Trotz, den Lauf des Schicksals zu ändern, kommt es wie es kommen muss und Leyla landet in Talas Armen. Für Leyla, angehende Schriftstellerin indischer Abstammung, hat die Liebesnacht ihr Coming-out gegenüber der Familie zur Folge, ein Schritt, zu dem sich Tala nicht entschließen kann. Zu groß ist ihre Angst vor gesellschaftlicher Ächtung und der Reaktion ihrer Mutter…

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Eveline Ratzel: The BIG SIN. Die Lust zum Sündigen. Mary Daly und ihr Werk.

Mary Daly, eine der wichtigsten Vordenkerinnen der Neuen Frauenbewegung, ist im Jahr 2010 verstorben. Aus diesem Anlass gedachten Frauen in aller Welt der ersten feministischen Philosophin und radikalfeministische Theologin, der es gelang, ihre Studentinnen und Leserinnen für den Feminismus zu begeistern – egal, wie viele Steine ihr im akademischen Leben auch in den Weg gerollt wurden. Sie stiftete Frauen zum Widerstand gegen alle Erscheinungsformen des Patriarchats an, forderte sie auf, ihr Leben so weit es geht, voraus zu werfen. Als eine der ersten setzte sie sich mit Fragen der Biotechnologie oder der Genmanipulation auseinander.

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