Archiv der Kategorie: Rezensionen 2013 1. Halbjahr

Christa Winsloe: Das Mädchen Manuela. Der Roman zum Film Mädchen in Uniform

Welche hat sie nicht angeschmachtet? Romy Schneider als Mädchen in Unform, Lilli Palmer küsssend, der Stoff, aus dem die Träume kleiner Lesben gemacht sind? Später dann, im verqualmten Frauencafé, die viel weniger persilgewaschene Originalversion des Films mit dem tieftraurigen Ende. Fast hatten alle Tränen in den Augen, der viele Rauch war eine gute Ausrede.

 

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Tania Witte. leben nebenbei.

Tania Witte schreibt, was viele lesen, aber nur wenige schreiben wollen/können – Fortsetzungen. Und das, ohne auch nur eine Minute zu langweilen.

Wer Tania Wittes ersten Roman beziehungsweise liebe gelesen hat, kennt sie schon: die ebenso verschrobene wie ganz normale und dazu noch überaus liebenswürdige Freund_Innenclique aus Berlin. Auch dieses Mal passiert eine Menge im turbulenten Alltag der recht zahlreichen Protagonistinnen. Doch Witte behält die Fäden ihrer Geschichte immer sicher in der Hand, selbst wenn die Ereignisse sich überschlagen.

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Birgit Utz: Smalltown Blues

Melanie ist 17 und lebt mit Mama Vera und großer Schwester Bettina in einer baden-württembergischen Kleinstadt. Papa hat die Familie verlassen und richtet sein Leben mit Sohn und Kirchenchorliebe neu ein, Melanie will daraufhin nichts mehr mit ihm zu tun haben. Die Schule nervt, sich anpassen an die Cliquennormen fällt schwer, die Beziehung zu Max will nicht gelingen. Nichts scheint zusammen zu passen, bis sie sich in die Kollegin ihrer Schwester verliebt. Melanie weiß, dass sie ihren Weg nur in der Großstadt wird finden können.

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Sarah Sajetti – Chiara, Simona und die anderen

Nun wird es wieder mal italienisch im Berliner Lesbenverlag! Der Roman entführt uns in die Mailänder Lesbenszene der Gegenwart. Welche jetzt nur an patriarchatskritische Buchladenrunden denkt, die wird schnell belehrt, dass es darüber hinaus eine Menge mehr zu entdecken gibt.

Erzählt wird ein Kriminalfall bei dem einige Lesben aus der Szene sich durch illegalen Handel mit chinesischen Antiquitäten den exzessiven  Drogenkonsum und einen luxuriösen Lebensstil finanzieren und eine am Ende ermordet wurde. Doch der ganze Kriminalfall wird – so verkündet die Autorin gleich zu Beginn – nur aufgerollt, damit sich unsere Protagonistin Chiara in die ermittelnde Kommissarin verlieben kann und damit die Haltung politisch aktiver Lesben zur Staatsmacht thematisiert werden kann.

Frisch fröhlich wird von stets wechselnden Liebesabenteuern erzählt, jede neue Figur ist eine Ex oder war eine kurze Affäre oder hat einmal die Freundin ausgespannt. Das Szeneleben scheint aufreibend, insbesondere durch unentwegtes Feiern und reichlich fließenden Alkohol und ganz selbstverständlich konsumierte Drogen. All das wird rasant und leicht rotzig erzählt, wäre tatsächlich als eine italienische Spielart von L-WORD abzutun, wie der Klappentext meint, aber immer wieder werden politische Themen aus der Szene geschickt eingeflochten ohne dass der Text an  Lebendigkeit, Glaubwürdigkeit oder Erzählfluss verliert und das macht diesen Roman zu etwas Besonderen. Großes Lob auch an die Übersetzerin Julika Brandestini!

Sarah Sajetti. Chiara, Simona und die anderen.
Verlag Krug & Schadenberg. Berlin. 2012

gelesen von Elke Heinicke