Christa Wichterich: gleich. gleicher. ungleich. Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung.

Bringt die Globalisierung uns Frauen um die Früchte der Frauenbewegung? Oder bringt die Globalisierung, indem sie auch Frauen zu eigenständigen Marktsubjekten macht, endlich die gläserne Decke zum Einsturz? Macht Globalisierung Frauen freier? Oder versklavt Globalisierung Frauen? All diese Fragen sind ebenso mit ja, wie mit nein zu beantworten. Viele Frauen werden in prekäre Arbeitsverhältnisse abgedrängt. Einigen Frauen insbesondere im reichen Westen gelingt dagegen der Aufstieg. Globalisierung kann eine Befreiung von patriarchalen Strukturen der Familie mit sich bringen, die Macht des Staates schrumpft, aber die Macht des Marktes wächst ins Unermessliche. Als paradox bezeichnet Wichterich die Entwicklungen.

Zuerst stellt sie die globale Frauenbewegung innerhalb bzw. im Umfeld der UNO während der letzten 3 Jahrzehnte dar. Sie zeigt Erfolge, aber auch Grenzen, Konferenzeuphorie und

-müdigkeit. Im Weiteren geht es um Marktintegration von Frauen und Feminisierung von Arbeit. Beispielhaft werden die Entwicklungen in Deutschland, China und Indien betrachtet.

Im letzten Abschnitt widmet sich Wichterich den Perspektiven. Sie setzt hier auf eine lokale, dezentralisierte (Land)wirtschaft zur Sicherung der Grundbedürfnisse, auf feministische Ökonomie als Kompass in der Krise sowohl der Wirtschaft, als auch der Umwelt und zeigt, welch lebendige, vielfältige  Formen der Feminismus heute wieder annimmt. Der Widerstand bewegt sich fort aus den Konferenzräumen, es geht zurück auf die Straße!

Allerdings scheint es für ein Buch, in dem es um Frauenrechte geht, erstaunlich, dass gleich auf der ersten Seite die Christopher Street ausschließlich mit Schwulenrebellion in Verbindung gebracht wird. Könnte vielleicht noch mal gegendert werden!

Insgesamt liefert das Buch der Soziologin mit Schwerpunkt Globalisierung und Gender, Frauenarbeit sowie  Frauenbewegungen und Ökologie eine solche Fülle an Material, stellt Zusammenhänge dar und widerlegt viele der täglich mantraartig in den Medien wiederholten Thesen, dass eine kurze Zusammenfassung ihm in keiner Weise gerecht werden kann. Es ist luzide und stringent formuliert, bestechend in der treffsicheren Sprache, einzig die äußerst kleinschrittige Untergliederung in einzelne Abschnitte stört den Lesefluss etwas.

Hinter dem brillanten Cover verbirgt sich eines der anregendsten Bücher der letzten Jahre!

Lesen, nachdenken, Köpfe heiß reden!

 

Christa Wichterich. gleich. gleicher. ungleich. Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung. Ulrike Helmer Verlag. Sulzbach/ Taunus. 2009

 

gelesen von Elke Heinicke