Christa Winsloe: Das Mädchen Manuela. Der Roman zum Film Mädchen in Uniform

Welche hat sie nicht angeschmachtet? Romy Schneider als Mädchen in Unform, Lilli Palmer küsssend, der Stoff, aus dem die Träume kleiner Lesben gemacht sind? Später dann, im verqualmten Frauencafé, die viel weniger persilgewaschene Originalversion des Films mit dem tieftraurigen Ende. Fast hatten alle Tränen in den Augen, der viele Rauch war eine gute Ausrede.

 

Das Buch habe ich nie gelesen. Dabei wäre es vermutlich auch geblieben, hätten nicht die Damen Krug & Schadenberg dankenswerterweise den Roman zum Film – eine Buchkategorie, die ich, wie ich gestehen muss, sonst nie zur Hand nehme und mit Schaudern übersehe – vor dem Vergessen gerettet und neu aufgelegt. Versehen mit einem klugen Nachwort der Herausgeberin und Winsloe-Biografin Doris Hermanns ist die Lektüre der Geschichte Manuelas eine überaus lohnenswerte Angelegenheit, auch wenn es sich um eine tragische Geschichte aus der Zeit handelt, als Lesben noch sterben mussten.

 

Die junge Manuela von Meinhardis kommt zur Vervollständigung ihrer Erziehung in ein streng geführtes Mädchenpensionat, wo sie sich, wie nahezu alle ihre Mitschülerinnen, in die Lehrerin Fräulein von Bernburg verliebt und jede Begegnung mit der Angebeteten als Gegenliebe interpretiert. Bei der Feier nach einer Schultheateraufführung betrinkt sich Manuela, gesteht ihre Liebe und wird zur Strafe von ihren Mitschülerinnen isoliert. Auch Fräulein von Bernburg wendet sich unter Druck von ihr ab und Manuela nimmt sich das Leben.

Christa Winsloe, Das Mädchen Manuela, Verlag Krug & Schadenberg Berlin 2012

gelesen von Jule Blum