Christina Schachtner (Hrsg.in): Erfolgreich im Cyberspace. Handbuch virtuelle Frauen- und Mädchennetze

In einer Studie namens „E-Network: Kommunikation und Gemeinschaftsbildung in virtuellen Frauen-Räumen“ wurden ausgewählte Mädchen- und Frauennetze untersucht. Soweit nicht ganz ungewöhnlich, allerdings entstand aus dieser Studie nicht nur ein Forschungsbericht, sondern obendrein dieses Handbuch, denn Wissenschaft sollte die Wirklichkeit nicht nur analysier[en], sondern auch einen Beitrag zu ihrer Veränderung leisten… Kann das Handbuch dieses hoch gesteckte Ziel einlösen? Ich habe den Eindruck, wesentlich besser, als vieles, was ich bereits zum Thema gelesen habe. Als engagierte Networkerin im off-line Leben, bisher aber mit einer gewissen Skepsis zur virtuellen Vernetzung, bin ich das erste Mal richtig neugierig geworden. Selbst mir als Cyber-Muffel hat die Lektüre Lust gemacht, virtuelle Räume zu erforschen und mitzugestalten.

Was macht dieses Buch so besonders? Verschiedene Autorinnen erläutern ganz praktisch, was es vor einer Netzwerkgründung zu beachten gibt, welche technischen Voraussetzungen nötig sind (Nichts, was eine durchschnittlich begabte Userin nicht meistern könnte!), wie die Kommunikation lebendig gehalten wird, welche Regelungen nützlich sein können, Finanzierungsmöglichkeiten. Alles knapp und klar, ohne unnötiges Fachlatein und wenn frau doch mal ein Terminus unbekannt sein sollte, schlägt sie im beigefügten Glossar nach. Warum virtuelle Mädchen- und Frauennetze ein genderpolitischer Gewinn sind und welche Besonderheiten sie auszeichnen, wird an vielen Stellen diskutiert und in einem abschließenden Kapitel erläutert. Besonders nett zu betrachten sind die eingestreuten Skizzen, mit denen Userinnen der Netze darstellen, was die Community ihnen bedeutet. Im Serviceteil gibt es Gütekriterien und eine Kurzvorstellung wichtiger Frauen- und Mädchennetze zum Ausprobieren.

Die Illustrationen zu jedem Kapitel – Netzbilder, die wirken wie die Kunstwerke, die im grauen Büroalltag auf dem Kopierer entstehen – sind symptomatisch für das Buch: unprätentiös und eben deshalb Lust machend auf eigene Aktivität.

Und übrigens war es schließlich eine Frau – Ada Byron/Lovelace – die schon im 19. Jahrhundert wichtige Grundlagen für die Computerprogrammierung legte. Nutzen wir also die Räume, die es zu besetzen gilt!

 

Christina Schachtner (Hrsg.in). Erfolgreich im Cyberspace. Handbuch virtuelle Frauen- und Mädchennetze. Verlag Barbara Budrich. Opladen 2005.

 

gelesen von Elke Heinicke