Christine Lehmann: Malefixkrott

„Was hatte ich auch geglaubt? Dass er mich verschonte, nur weil ich ihn ansprach? Ja, in Krimis, da bekamen die Serienhelden immer noch eine Chance, weil man sie noch brauchte, aber für einen, der sich ans Morden gewöhnt hatte und seine Macht genoss, gab es keinen Grund, auch nur eine halbe Sekunde zu zögern, nur weil ich die Serienheldin meines eigenen Lebens war und an mir hing.“
Lisa Nerz tot? Und das nur, weil sie eine Feuchtgebietiges schreibende Malefixkrott zu beschützen versucht hat? Wer bedroht die plagiatierende 17-Jährige mit der erstaunlich schmutzigen Fantasie und richtet am Ende seine Waffe auf Schwabenreporterin Nerz?

Ich werde es nicht verraten, lest selbst, denn auch dieser Lehmann-Krimi lohnt sich in höchstem Maße. Gewohnt scharfzüngig legt sie sich an mit allerlei heiligen Kühen wie dem deutschen Literaturbetrieb und seinem jährlichen Höhepunkt, der Frankfurter Buchmesse als gigantischem Markt der Eitelkeiten. Auch die Politik bekommt ihr Fett weg, egal, ob es sich um den Milliarden verschlingende Prestigewahnsinn „Stuttgart 21“ oder um Ungereimtheiten und Pannen bei den RAF-Ermittlungen handelt. Lehmann, respektive ihr Alterego Lisa Nerz, sind die Lichtgestalten in der doch recht einheitlich grauen deutschen Krimiszene. Möge der Himmel sie uns noch lange erhalten…

Christine Lehmann, Malefixkrott. Ariadnekrimi 1185, Argument Verlag Hamburg 2010

gelesen von Jule Blum