Christine Lehmann: Pferdekuss

Christine Lehmann: Pferdekuss

Christine Lehmann: Pferdekussbestellen… Die Reise in ihr Heimatdorf Vingen am Rande der schwäbischen Alb führt Lisa Nerz im sechstem Band der Krimireihe um die toughe Stuttgarter Journalistin tief deren Vergangenheit. Anlass des Besuchs in dem verhassten Kaff ist der 70. Geburtstag ihres Ex-Schwiegervaters Gallion, genannt der General, eines typisch schwäbischen Allmachtsdackels, dessen anmaßende Beleidigungen Lisa eigentlich ebenso hinter sich lassen wollte wie die muffige Enge des Dorfes, die bigotte Frömmelei ihrer katholischen Mutter und die Erinnerungen an den Unfall, bei dem ihr Gesicht mit den entstellenden Narben gezeichnet wurde.

Doch kaum betritt sie den Hof – ein sehr erfolgreiches Zuchtgestüt –, schon ist sie erneut widerwillig involviert in die Machenschaften des intriganten Generals und seiner Tochter Siglinde. In der Box eines Pferdes wird die Leiche einer Frau gefunden und schnell ist klar, dass es sich bei ihrem Tod nicht um einen Unfall gehandelt haben kann. Lisa Nerz beginnt zu ermitteln, hin und her gerissen zwischen Loyalität und Genugtuung. Doch beim Ausgraben alter Familiengeheimnisse wird immer deutlicher, dass ein Sturz vom Baum erheblich schlimmere Folgen haben kann als bloß eine Gehirnerschütterung.

Auch der sechste Fall von Lisa Nerz ist wieder ein rundum gelungener Krimi-Hochgenuss. Christine Lehmanns einzigartiger und unnachahmlicher Stil, ihre Kunstfertigkeit, Geschichten mit exakt jenem Maß an Komplexität zu erzählen, die sie bis zur letzten Seite zu einem hoch spannenden Lesevergnügen werden lassen, ist in der (deutschen) Krimilandschaft absolut ohne jede Konkurrenz.

Wie schon beim Besprechen des letzten Lehmann-Krimis befürchtet, gehen mir tatsächlich so langsam die enthusiastischen Adjektive aus, mit denen ich auch nur annähernd adäquat beschreiben könnte, mit wie viel kribbelnder Vorfreude ich das Buch aus dem Umschlag geholt, mit wie viel Ungeduld ich erst brav meinen Rezensionsstapel abgearbeitet und mit wie viel Entzücken ich es dann letzten Endes verschlungen habe. Auch ein Thesaurus hat eben seine Grenzen!

Für ein anderes Problem hat sich zum Glück eine Lösung ergeben: Ich brauche die Lehmann-Lesenächte nicht mehr länger ohne meine Liebste zuzubringen, die in der Vergangenheit ob meines nicht zu überhörenden Vergnügens an der Lektüre dem gemeinsamen Schlafgemach entflohen war. Wie ich das geschafft habe? Ganz einfach. Ich habe ihr auch einen Krimi von Christine Lehmann in die Hand gedrückt. Die Folgen waren unausweichlich…

Christine Lehmann. Pferdekuss. Ariadne Krimi 1171, Argument Verlag Hamburg 2008

gelesen von Jule Blum