Cordula Karich – LFT 2009 in Köln

Als ich mich auf den Weg nach Köln machte, steckte mir das Dresdner LFT noch sehr in den Knochen, da unsere Fördermittelabrechnungen gerade erst fertig geworden waren. Mit den ersten bekannten Gesichtern und herzlichen Begrüßungen bei der Ankunft in Köln war das aber alles vergessen und ich hatte sofort wieder das Gefühl, am richtigen Platz zu sein.

Im Tagesprogrammgebäude herrschte der übliche Stress des LFT-Vorabends. Tische wurden hin- und hergetragen, Kisten ausgepackt, Stände aufgebaut. Das einzige, was ich vermisste, waren die Orgas. Lesben in roten Westen, die mit einem Walkie-Talkie in der Hand das Chaos dirigieren, waren nirgendwo zu sehen. (Wie sich später herausstellte, hatten die Orgas zum großen Teil einfach keine rote Weste an).

Der LFT-Samstag begann für mich mit einer Stunde Helferinnendienst an der Eintrittskasse. Zum Glück hatte ich schon gefrühstückt, denn der Kaffee, das Essen und auch die Bonkasse ließen noch eine Weile auf sich warten. Irgendwie habe ich dann den Anfang des Eröffnungsplenums verpasst, kam aber gerade noch rechtzeitig, um die Grußworte zu hören. Die Moderation durch Sophia Altklug sorgte für Abwechslung und einiges an Erheiterung.
Für unseren Bericht zu den Zahlen und Finanzen aus Dresden gab es viel Applaus – das tat nach der langen Nacharbeit noch einmal richtig gut. Leider nutzten die Kölner Orgas das Plenum zu wenig, um wichtige Infos weiterzugeben oder Helferinnen zu gewinnen. Zur Ausschilderung der Räume hätte sich sicher eine kleine Gruppe gefunden – so griffen die Referentinnen und Ständelesben später selbst beherzt zu Papier und Stift.

Nach weiteren 200 Handgelenken, um die ich Eintrittsbändchen gewickelt habe, einer Pause in der Sonne auf der Wiese und anderthalb Stunden Tangotanzen war es dann Zeit für das Abendprogramm.
Auf der Bühne in der Zentralmensa folgten aufeinander: Janice Perry, Charla Drops, Caró, Die Rheintöchter und Elli. Moderiert wurde der Abend mit viel Witz von Imi Paulus. Mit den Auftritten des lesbischen Mariechen-Tanzcorps „Maria Laach“ kam dann auch noch ein Stück ausgelassene Karnevalsstimmung aufs LFT. Dies galt allerdings nur für diejenigen, die sich in einem relativ kleinen Raum einen Steh- oder Boden-Sitzplatz gesichert hatten. Alle anderen waren darauf angewiesen, das Programm im Foyer auf einer Leinwand zu verfolgen – was bei vielen für Unmut sorgte. Am Sonntagabend begeisterten neben den auftretenden Künstlerinnen (Carolina Brauckmann, Dana Weber & Inken Röhrs, Adwoa Hackmann, Kick La Luna, Queerelas) auch die Gebärdensprachdolmetscherinnen das Publikum. Nach dem Bühnenprogramm gab es noch verschiedene Discos und auch die Freundinnen des Standardtanzens kamen auf ihre Kosten.

Am Sonntag hatte ich tagsüber zwischen Kassendienst, Mittelplenum und zwei Workshops genügend Zeit, um mich beim Ständemarkt umzuschauen, die allgemein gute Stimmung zu genießen und mit den Lesbenring-Briefumschlägen Grüße an die daheimgebliebenen Freundinnen zu schicken.

Das Abschlussplenum wurde von Katrin Suder mit Esprit und Leidenschaft moderiert. Neben vielen Kritikpunkten gab es auch ein dickes Dankeschön an die Kölner Orgas für ihre zweijährige ehrenamtliche Vorbereitungsarbeit.
In der Diskussion ging es um die Rolle des Mittelplenums. Schließlich wurde entschieden, dass Anträge für bindende Beschlüsse künftig auf dem Mittelplenum vorgestellt und diskutiert werden und bis zum letzten Workshopblock zum Lesen für alle ausgehängt werden.
Zum Abschluss stellten die Orgas für das LFT 2010 in Hamburg sich und ihre Ideen in beeindruckender Weise mit Chorgesang und einem selbstgedrehten Film vor. Und auch für 2011 haben sich engagierte Lesben gefunden: zehn Jahre nach dem ersten LFT im Osten laden uns die Rostockerinnen wieder zu sich ein!

Cordula Karich

PS: Den Film der Hamburgerinnen könnt Ihr Euch im Internet ansehen: www.lesbenfruehling.de/hamburg2010/ueberuns.html