Darf ich vorstellen: Lakhashmir

Achtung Glosse! Achtung Glosse! Achtung Glosse! Achtung Glosse! Achtung Glosse!

Bohrende Skepsis wechselt sich ab mit nagenden Zweifeln. Dürfen wir das? Sollten wir es nicht besser…? Lesben und Glossen – die explosivste Paarung seit Nitro und Glycerin. Weitgehend unbestätigten Meldungen zufolge gibt es schließlich pro Jahr einige Tausend unanfechtbar bewiesene Berichte über Entführungen von Außerirdischen mehr als halbwegs glaubwürdige Berichte zu Lesben, die über sich selber lachen konnten. Und bekanntermaßen ist doch kein Schlips zu kurz, als dass man nicht drauftreten könnte. Doch hey, was soll’s? Tun wir’s einfach, Augen auf und durch.

Künftig wird also eine Mitlesbe – Durchschnittslesbe?, Lesbe wie du und ich? –  ihre Gedanken, Sorgen, Freuden, Ärgernisse rund um das jeweilige Schwerpunktthema mit den Leserinnen teilen. Sie wird verraten, was wir schon immer mal oder eben auch noch nie wissen wollten und sie wird möglicherweise genau das aussprechen, was wir uns noch nie zu sagen getraut haben. Und im Zweifelsfall muss sie ja keine so ganz ernst nehmen – Mitfrauenbeitrag zahlt sie ohnehin nicht…

Darf ich vorstellen: Lakhashmir

Ein letztes Mal zieht Lakhashmir den Daumennagel über die Ränder des Tesafilms. Gut. Das dürfte halten. Offensichtlich ist es an der Zeit, auch das Schild mit ihrem bürgerlichen Namen an den Briefkasten zu pappen. Karla Schmidt klebt nun in eckiger Computerschrift neben dem schnörkeligen, schon leicht ausgeblichenen aber liebevolle kalligraphierten Lakhashmir. Damals, nach ihrer Indienreise vor nunmehr fast zehn Jahren hatte sie sich im Überschwang der Gefühle und im Einklang mit dem Universum diesen ihren neuen Namen zugelegt. Lakhaschmir passte einfach viel, viel besser zu ihr und überhaupt taten das damals doch fast alle. Die meisten haben inzwischen allerdings längst zurückgetauscht, aber soweit will Lakhashmir nicht gehen. Nein, sie passt sich nicht an, sie bleibt widerständig.

Nur, dass ständig Briefe nicht angekommen sind, hat sie genervt. Zwar waren es in der Regel vermutlich ohnehin nur weitere Absagen auf diverse halbherzige Bewerbungen oder Rechnungen oder Mahnungen gewesen, die sie sowieso nicht hätte bezahlen können.

Aber mittlerweile gibt es in dieser Hinsicht einen schmalen Silberstreif am Horizont. Seit sie den Job bei der Bank hat, erholt sich ihr Konto allmählich. Nur eine Frage quält sie: ist es wirklich in Ordnung, für eine Bank zu arbeiten? Weiß Göttin, in welche dunklen Machenschaften diese Finanzhaie verwickelt sein mögen? Und auf Kosten welcher ausgebeuteten Menschen bereichert sie selbst sich, wenn für jede Stunde Putzen 6,50 Euro auf ihr Konto fließen? Noch regt sich Lakhashmirs Gewissen, aber wie lange noch? Wird auch sie sich am Ende einlullen und zum Konsum bekehren lassen?

Bislang bleibt es ihr eigentlicher Plan, ausschließlich von selbstbestimmter Arbeit leben zu können. Sie töpfert deshalb ebenso hingebungsvoll wie beeindruckend talentfrei kleine bucklige Schalen und krumme Frauenstatuetten. Bemalt mit reinen Naturfarben. Aus ungebranntem Ton natürlich, irgendjemand muss ja schließlich die Klimakatastrophe aufhalten.

Nur, irgendwie gehen ihre Werke ziemlich schlecht. Die Frauen, die an ihren LFT-Stand kommen, meinen, sie wären zu teuer. Keine Ahnung haben die! Verstehen sie denn nicht, dass das Kunst ist? Und überhaupt sollten die, die politisch völlig unkorrekt das große Geld verdienen, wenigstens selbstverständlich solidarisch sein und großzügig bei ihr einkaufen!

Seufzend schließt sie den Reißverschluss ihrer neuen Goretexjacke. Sie muss noch den Wochenendeinkauf im Bioladen erledigen. Dann auf einen Schwatz mit ein paar Freundinnen ins Café, am Freitagnachmittag soll die Woche schließlich gemütlich ausklingen. Heute Abend gibt es ein Konzert ihrer Lieblingsband im Lesbenzentrum. Über den Eintritt hat sie sich allerdings empört: SIEBEN EURO! Wo die ganze viele Kohle wohl hingeht? Und wie soll sie sich das leisten können, sie hat doch kaum mehr als Hartz IV? Warum zahlen denn nicht diejenigen mehr, die es haben? Doch Moment, wenn sie richtig darüber nachdenkt: haben nicht eigentlich die allermeisten Lesben kein Geld? So gesehen ist es doch total unsolidarisch, wenn diese Musikerinnen immer die dicken Gagen einstecken, ehrlich jetzt mal.