Das Ding mit der Macht

Also, ehrlich jetzt mal! Lakhashmir ist aufrichtig empört. Da bemüht sie sich nun nach Kräften, für ihre beste Freundin Elvira den runden Geburtstag zu planen und dann so was.

Wütend gibt sie dem Blatt vor sich auf dem Tisch einen Schubs, dass es über die glatte Fläche schliddert und auf der anderen Seite zu Boden segelt.

Na toll, jetzt muss sie auch noch aufstehen und sich das blöde Ding wiederholen!

Knurrig starrt sie auf ein Diagramm, das aussieht wie der nächtliche Albtraum einer durchgeknallten Wissenschaftlerin: lauter Abkürzungen, Kreise, Pfeile, durchgestrichen und wieder drübergeschrieben. Im Leben hätte Lakhashmir sich nicht träumen lassen, dass es so ein Hickhack geben könnte. Sie wollte doch lediglich eine Einladungsliste schreiben, die Frauen dann eine nach der anderen abtelefonieren und gut.

Aber Pfeifedeckele! A erklärt kategorisch, wenn B oder C auf die Party kommen, dann käme sie ganz sicher nicht. Seit B mit ihr Schluss gemacht und sich mit der dämlichen Ziege C zusammen getan habe, hätten sie Freundinnen wie Festlichkeiten unter sich aufgeteilt. Wieso Lakhashmir das denn eigentlich nicht wisse? Nun habe ihr Anruf alles wieder hochgeholt, der heutige Abend sei damit ja wohl gelaufen, vielen Dank auch! Wild schluchzend hatte A den Hörer aufgeknallt.

D hatte zwar keine Probleme mit irgendwelchen Exen, aber wenn E zu dem Fest eingeladen werde, dann könnte Elvira doch bitte ohne sie feiern. Schließlich sei E ja nicht immer eine Frau gewesen und mit solchen Leuten – nein wirklich!

Auch F hatte mit Nachdruck darauf bestanden, dass das Ganze ein rein lesbisches Event werden würde, es sei eine Sache der Energie, Heten und Transen würden da nur saugen, Lakhashmir wisse schon.

G und H hatten mit Gendertrouble nix am Hut, konnten aber auf keinen – auf gar keinen Fall, hörst du? – Platz und Atemluft mit I, J und K teilen. Seit sie vor zwölf oder waren es vielleicht schon dreizehn oder gar fünfzehn Jahren, ach, egal oder?, gemeinsam ein LFT organisiert hatten, ging nichts mehr zwischen ihnen, rein gar nichts mehr, verstehst du?

Lakhashmir findet, das geht ja nun mal gar nicht.

Die ganzen Weiber sollen sich gefälligst nicht so haben. Ich meine, wenn ich eingeladen werde, mit einer Freundin ein Fest zu feiern, dann kann ich solchen kleinlichen Mist doch mal für einen Abend beiseite lassen, oder? Was soll das denn überhaupt alles? Da geht es doch nur um Macht, darum, auch mal bestimmen zu können. Und bestimmen kann hier doch wirklich nur Elvira, das Geburtstagskind. Na ja und ich vielleicht noch, schließlich schreibe ich ja die Liste. Ich finde zwar A bis L nicht besonders nett, aber was soll’s.

Ist ja nicht meine Fete, nicht wahr? Alle Freundinnen von Elvira sollten da sein, obwohl…

Also, L, die schreibe ich mal lieber gar nicht erst auf. Die arbeitet doch bei so einem Riesenunternehmen, total unfeministisch – ehrlich jetzt mal!