Demo Marburg LFT 2007

Demobeitrag Marburg 2007, Elke Heinike, Lesbenring e.V.

 

Demo Marburg LFT 2007Liebe Lesben!
Liebe Marburgerinnen und Marburger!

Ich überbringe die allerherzlichsten Grüße des Lesbenrings, der bundesweiten Dach-organisation für Lesben, Lesbengruppen und Lesbenorganisationen.
Lesben und Geld ist eines der Themen der diesjährigen Demo und Konsumverzicht liegt voll im Trend.
Endlich scheint es auch im Mainstream angekommen zu sein.
Zeit wird’s!
Aber halt!

Seit wann verstehen wir Lesben uns denn als Maistreamkultur?
Soll doch dieses Mal wer will verzichten! Ich rufe auf zu mehr Konsum!

Konsumieren?
Aber ja doch, nur nicht wahl-los, sondern mit Verstand und feministisch geschärftem Blick:

* Wohl tragen wir nicht alle Birkenstock, aber unsere Espressomaschinen laufen längst mit Ökostrom. Dass fair gehandelter Kaffee einfach besser schmeckt, hat sich in Lesbenkreisen schnell rumgesprochen.
* Beim Klamottenkauf ist weniger manchmal mehr, denn uns sind die Arbeitsbedingungen der Herstellerinnen nicht gleichgültig.
* Frauenferienhaus statt Fernreise!
* Lesbenkaufhaus statt Shoppingtrip nach London und New York!
* Spenden statt Steuern, denn über den Umweg von Finanzanträgen fließt viel zu wenig zurück in Lesbenprojekte!
* Lesbencash in Lesbentäsch und klüngeln und netzwerken, was das Zeug hält!
* Wenn Lesben Lesbenbücher kaufen, statt zu leihen, dann bleiben uns die letzten Frauenbuchläden erhalten.
* Dann können FrauenLesbenverlage experimentierfreudig sein und es entsteht Lesbenliteratur, in der wir mit unserer eigenen Kultur sichtbar sind.
* Wenn Lesben in Konzertkarten investieren, dann lohnt es sich für Lesbenbands aufzuspielen.
* Lesben, tragt euer Geld zur nächsten Lesbenkneipe und ins Frauencafé!
* Lest Zeitschriften und finanziert unsere Vereine!
* Rettet FrauenLesbenräume und leistet euch eine starke politische Vertretung!

So wird in diesem Sommer der Lesbenring 25

Jahre alt und mittlerweile vertreten wir lesbische Interessen sogar im Deutschen Frauenrat.
Letztes Jahr haben wir tatkräftig an der Abpfiffaktion gegen Zwangsprostitution mitgewirkt und wir können lesbische Perspektiven einbringen, ganz gleich ob es um Adoptionsrecht, Gleichstellungsgesetz, Steuerreform, Gesundheitsreform, Bildungspolitik geht.

Wir mischen mit und wir leisten uns diese Einmischung, denn Lesben werden nur sichtbar, wenn sie in ihre Interessenvertretung investieren – Arbeit und Finanzen investieren, denn ohne Briefmarke kein Protestbrief, ohne Fahrkarte oft keine politische Einflussnahme.

Vor 25 Jahren wurde die Idee einer bundesweiten Interessenvertretung von Lesben auf dem LFT geboren. Vieles wurde seitdem diskutiert, angestoßen, verworfen, bewegt, erreicht. Dafür gilt unser Dank den Vorreiterinnen, Gründerinnen, den Mitfrauen, Freundinnen, Verbündeten und Unterstützerinnen. Unsere Interessenvertretung ist so stark, wie wir sie uns leisten!

Wir haben eine reiche und vielfältige Kultur geschaffen und nun sei es mit einem Mal nicht mehr nötig in die Lesbencommunity zu investieren?
Welche hat denn je gehört, dass Mainsteamkultur nicht mehr gefördert werden müsste?
Wenn wir aufhören, unser Geld und unsere Energie in Lesbenkultur zu investieren, drohen kulturelle Leistungen verloren zu gehen. Wir haben gelernt, uns und unsere Leistungen gegenseitig wertzuschätzen.

Professionalisierung sollte kein Schimpfwort mehr sein, denn wir haben Qualität verdient und wir sind in der Lage Qualität zu bieten.
Wenn die Mittel knapper werden, sollten wir sie umso bewusster einsetzen.
Lesbenkultur und Lesbenpolitik lebt von Lesbenenergie. Solidarität für alle, die der Unterstützung bedürfen!
Anerkennung und Wertschätzung für die, die mit ihrer Energie unsere lesbischen Landschaften erblühen lassen!

Elke Heinicke, Pressesprecherin Lesbenring e.V.