Diana Auth, Eva Buchholz, Stefanie Janczyk (Hrsg.innen): Selektive Emanzipation. Analysen zur Gleichstellungs- und Familienpolitik

Die AutorInnen untersuchen Gleichstellungs- und Familienpolitik verschiedener Regierungen aus feministischer Sicht.

Es hat sich einiges getan in den Jahren der großen Koalition: Einführung des einkommensbezogenen Elterngeldes, Ausbau der Kleinkinderbetreuung… Aber es sieht nicht alles so rosig aus, wenn frau es einer genaueren Prüfung unterzieht. Meist gehen Fördermaßnahmen an denen, die am bedürftigsten sind, vorbei. Im Extremfall wird diese Gruppe sogar schlechter gestellt als zuvor. Gendermainstreaming als top-down Strategie ist längst schon in der politischen Mottenkiste verschwunden, noch bevor DurchschnittsbürgerInnen überhaupt davon Kenntnis bekamen.

Das Buch sensibilisiert dafür, dass die Gleichstellungspolitik sich klammheimlich zur Muttipolitik (Hatten wir ähnliches nicht schon mal im östlichen Teil Deutschlands?) wandelt. Längst geht es nicht mehr um gleiche Rechte, sondern um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und dies ist dann natürlich wieder ein Frauenthema. Männer beteiligen sich in Deutschland immer noch sehr wenig an der Erziehungsarbeit. Im Buch wird diese Tendenz zur Re-Traditionalisierung herausgearbeitet und die Entwicklung eines neuen Feminismus wird nachverfolgt. Feminismus könne nur unter Einbeziehung ökonomischer Analysen und mit herrschaftskritischem Ansatz erfolgreich sein. Interessant sind auch die Informationen zum Bild der Familie in Ungarn und Polen, zur frühkindlichen Betreuung in England.

Ein sehr lesenswertes Buch, das den Blick auf so manche politische Entscheidung schärft und das unbestimmte Bauchgrummeln angesichts aktueller Entwicklungen gut auf den Punkt bringt.

Diana Auth, Eva Buchholz, Stefanie Janczyk (Hrsg.innen). Selektive Emanzipation. Analysen zur Gleichstellungs- und Familienpolitik. Reihe Politik und Geschlecht. Bd. 21. Verlag Barbara Budrich.  Opladen & Farmington Hills. 2010

gelesen von Elke Heinicke