Die Krake. Nr. 2

Nun ist sie aus den Tiefen und Untiefen der Meere zu uns heraufgetaucht – die zweite Nummer der Krake, der Zeitschrift für Künstliche Beziehungen für unnatürliche Frauen.
Wie schon ihre Vorgängerin mit der Startnummer Eins erweist sich auch der zweite Jahrgang als hochentwickelter Kopffüßler. Der aus dem Norwegischen stammende Begriff Krake soll ursprünglich ein Seeungeheuer bezeichnet haben, das von Reisenden bereits im Mittelalter beschrieben wird. Aber selbst Homer traf wohl Kraken, die er  in Gestalt seiner Skylla aus der Odyssee der Nachwelt hinterließ.
Die Krake Nummer 2 steht dem in nichts nach, tummelt sich munter durch Antike, Mittelalter, Matriarchat, Kapitalismuskritik, Neoliberalismus und utopische Schwärmerei und zurück – immer auf der Suche nach Vorbildern für künstliche Beziehungsweisen. Kraken sind im Grunde ihres Herzens autarke Einzelgänger mit achtarmigen Potenzen für diverse Beziehungen polyamoröser Art., die ihre Paarungsbereitschaft durch eine entsprechende Veränderung ihrer Körperfarbe anzeigen. Ob sie dabei jeden ihrer acht Fangarme in einer anderen Farbe des Regenbogens einfärben können, ist bisher nicht belegt, lässt sich aber nach der Lektüre der 40 Seiten Krakenschrift stark vermuten.
Ich denke ja immer noch nach, warum nicht monogames Beziehungsleben künstlich sein soll?
Vielleicht bin ich ja bereits dekonstruktivistisch verblendet oder so hoffnungslos verschlampt, dass mir eher die zwangsmonogamen Paarungen als Kunst/Kulturprodukt erscheinen, genauso wie die strikten Geschlechtergrenzen übrigens auch.
Aber was soll die ganze Kopffüßlerei – Spaß macht es, durch die Seiten zu blättern. Nachgedrucktes, kleine Essays, Bekenntnisse, Comics, Kritisches, Albernes, Kluges.  
Und da das polyamante, schlampige Krakenvölklein mittlerweile emsig beim Knüpfen eines Netzwerkes ist, gibt es sogar Kleinanzeigen und Veranstaltungstipps. Und ein Gewinnspiel für alle, die sich an der Krake Nr.3 beteiligen wollen und wie bei einer „richtigen“ Zeitschrift eine wundervolle Beilage: Spuckies, mit denen ich jetzt mein endgültiges Schlamping-out zelebrieren kann – am Briefkasten, am Kofferraum, auf dem Terminplaner oder an den Haustüren aller meiner Liebsten. Für alle Fälle werde ich nachbestellen müssen!

empfohlen von Elke Heinicke

Und alle, die es jetzt genauer wissen wollen und es kaum erwarten können, sich in die reizenden Krakenarme zu stürzen, können das höchst anregende Lesefutter unter folgender Adresse bestellen:
polylogo@gmx.de