Dominique Manotti: Letzte Schicht

Eine durch die stillgelegten Eisenhütten wirtschaftlich ruinierte Region in Lothringen ist der Schauplatz dieses düsteren knallharten und realistischen Wirtschaftskrimis. Im Mittelpunkt steht die Niederlassung eines Elektronik- und Rüstungskonzerns, der einzige nennenswerte Arbeitgeber in der gesamten Gegend, in dem unter unzumutbaren Sicherheitsbedingungen gearbeitet werden muss. Nach mehreren schweren Arbeitsunfällen ist die Stimmung unter den Beschäftigten gereizt und als im Zuge von Übernahmeverhandlungen auch noch versprochene Prämien nicht ausgezahlt werden, kommt es zu einer spontanen Werksbesetzung. Anfangs läuft alles gut für die BesetzerInnen, doch plötzlich brennt die Fabrik. Und Kollegen und Kolleginnen, die etwas gesehen haben, sind plötzlich tot.

Ein beeindruckend gut recherchierter Thriller aus der unappetitlichen Welt von Konzernübernahmen, Subventionsbetrug, Macht- und Geldgier, sprachlich brillant geschrieben, sachlich, präzise, perfekt zum Thema passend.

Warum er in der Ariadne-Reihe erschienen ist, bleibt ein Rätsel. Es ist ohne Zweifel ein großartiges Buch, das seine Auszeichnung (Duncan Lawrie Dagger 2008) absolut verdient hat. Aber langjährige Liebhaberinnen der Ariadne-Krimis könnten enttäuscht sein: Eigentlich erwarten wir anderes.

 

Dominique Manotti, Letzte Schicht. Ariadne Krimi 1188, Argument Verlag Hamburg 2010

 

gelesen von Jule Blum