Dreivariantencouch von Jule Blum & Elke Heinicke. Rezension von Konstanze „Konny“ Gerhard, Konnys Lesbenseiten

Dreivariantencouch. Von Jule Blum und Elke HeinickeWelche bisher Unbehagen bzw. Angst vor polyamourösen bzw. Dreierbeziehungen hatte, ist hier an der richtigen Adresse.

Worum geht’s? Der Klappentext verspricht mehr als er hält. „Sex zu dritt“ kommt nicht vor. D.h. er passiert schon, aber er wird nicht beschrieben. Wie Sex zu dritt geht, erfährt die Leserin also nicht. Dafür erfährt sie sehr viel anderes, was der Klappentext verschweigt. In erster Linie geht es um Beziehungen, genauer gesagt Fernbeziehungen. Astrid ist eine offene, lebendige selbstbewusste Lesbe, die in Oldenburg lebt und eine Beziehung mit Kerstin, der klugen, immer den Überlick behaltenden Mathematikerin aus Leipzig pflegt (gut 400 km). Sie führen eine offene Beziehung, doch bislang ist es noch nicht dazu gekommen. Nun hat sich Astrid auch noch in Dorothea aus Heidelberg (gut 500 km) verliebt, die sie nicht nur wegen ihrer bemerkenswerten Kochkünste verführt hat.

Dreivariantencouch von Jule Blum & Elke Heinicke

Astrid stellt Kerstin ihre Freundin bei einem gemeinsamen Wochenende in Oldenburg vor (wenn ihr wegen der Namen und Orte durcheinander kommt: mir ging es genauso: also Astrid lädt ihre zwei Liebsten zu sich nach Oldenburg ein). Und es kommt, wie es kommen musste: die beiden Liebsten verlieben sich ebenfalls ineinander!

Worum geht’s wirklich? Interessanterweise ist die Dreiecksbeziehung nur ein „Nebenprodukt“. In Wirklichkeit werden in sog. Zeitreisen die Lebensgeschichten der einzelnen Protagonistinnen beschrieben, wobei dort der Fokus auf die emotionale Entwicklung gelegt wird. Das, was jede einzelne erlebt hat in der Schule, mit der ersten besten Freundin, mit der ersten Verliebtheit, der ersten Liebe, dem Coming Out, den Eltern und bei Kerstin besonders: deren DDR-Vergangenheit. Die jeweiligen Lebensgeschichten sind detailliert und liebevoll beschrieben, so dass der Leserin sehr bald klar wird, woher der Wunsch nach tiefen Begegnungen kommt und dass eine Dreierbeziehung sogar funktionieren kann.

Braucht frau das Buch? Ja. Das Buch rüttelt natürlich am heterosexuellen Vorbild der seriellen Monogamie in Zweierbeziehungen, das auch Lesben so gerne praktizieren. Aber das tut es nicht, indem es die Zweierbeziehung verdammt, sondern indem es aufzeigt, dass Dreierbeziehungen durchaus eine Option sein können. Mir hat außerdem gefallen, dass die drei Geschichten zueinander passen. Ich kann nicht sagen, welchen Part welche der beiden Autorinnen geschrieben hat, denn Brüche sind einfach nicht vorhanden. Insgesamt ist die Geschichte in einem angenehmen Stil erzählt, der viel Platz für Identifizierung bietet, weil die Lesbenszene einfach sehr treffend beschrieben ist. Ich habe oftmals schmunzeln müssen, Abt. „kenn‘ ich!“ 😉

Fazit: Mir hat’s summa summarum gut gefallen und ich habe viel gelernt, auch über die Dreivariantencouch! Zwar nicht das, was der Klappentext vermuten lässt, aber vieles vieles andere mehr!

bestellen… Dreivariantencouch von Jule Blum & Elke Heinicke, Februar 2011, broschiert: 288 Seiten, Konkursbuchverlag; Auflage: 1, ISBN-13: 978-3887697648.

gelesen von Konstanze „Konny“ Gerhard, Konnys Lesbenseiten/lesben.org