Ehrlich jetzt mal…

Das hat sich Lakhashmir ja schon immer gedacht, gewusst hat sie es, ihr sensibler Radar hat die Wellen schon vor Jahren empfangen. Jetzt endlich hat Svenja, ihre Nichte dritten Grades sich geoutet. Coming-out zur Goldenen Hochzeit ihrer Großeltern! Das ist doch endlich mal eine Familienfeier nach Lakhashmirs Geschmack gewesen. Alle haben bass erstaunt getan, dabei hatte die Kleine doch schon zur Einschulung Lederhosen tragen wollen. Lakhashmir hatte das damals schon richtig gedeutet.

Vor lauter Freude hat sie die frisch gebackene Junglesbe gleich in der nächsten Woche zum Essen eingeladen. Richtig ins Zeug gelegt hat sie sich: Grünkernbratlinge und süßsaures Kürbisgemüse dazu Yogitee, alles aus kontrolliert biologischem Anbau. Ganz aufgeregt ist sie gewesen, denn sie würde die Kleine einweihen, initiieren sozusagen, die konnte schließlich ja noch gar nicht wissen, was es heißt, lesbisch zu sein. Lakhashmir würde sie in die Grundlagen des Feminismus  einweihen, sie konnte froh sein, so eine Tante zu haben. Ein Geschenk der Göttin war sie für das junge Ding.

Alles war perfekt vorbereitet und doch ist ihr gemeinsamer Abend etwas aus dem Ruder gelaufen. Hat der Grünschnabel doch tatsächlich behauptet, Feministin zu sein!!! Da kann Lakhashmir nur müde drüber lächeln. Das Kind hat ja überhaupt noch keinen Schimmer, wie das ist ein-, zwei-, ach was, hundertfach-diskriminiert zu werden. Was die so für feministisch hielt. Lächerlich war das und wütend machte das Lakhashmir. Kingen fand die patriarchatskritisch! Dabei konnte das Kind keinen einzigen unserer guten alten Protestsongs, schon gar kein Frauenkraftlied singen! Da haben wir gekämpft für Frauenräume und Kerle rausgeschmissen und die geht mit ihrer Freundin zur Hetendisko! Wir haben aus voller Kehle geschmettert: Hejo, Heterofrau… Und Kinder will die womöglich auch noch haben.

Irgendwann hab ich aufgehört, hat doch keinen Zweck ihr das feministische ABC beizubringen, völlig unpolitisch ist die junge Generation. Hab ihr dann lieber geholfen ihre Zeitschrift, Z-i-n-e, sagt sie, zusammen zu kleistern. Das kenne ich noch, unsere Frauenzentrumsplakate haben wir bis letztes Jahr auf die Art gemacht. Geht schließlich auch ohne dieses ganze Computerzeugs. Und dann hab ich mich dabei doch glatt festgelesen. Da schreiben diese Youngster doch tatsächlich über ernstzunehmende Themen.

Dann wollte ich mit ihr ganz vorsichtig ein wenig aus meinem Sex-Nähkästchen plaudern. Na, von dem was sie mir geantwortet hat, glühen meine Ohren immer noch. Nur die Sache mit dem politisch korrekten Sex, die wollte sie einfach nicht verstehen. Aber bitteschön, wie kann denn eine behaupten Feministin zu sein, wenn sie so einfach ganz kompromisslos drauf besteht, Spaß zu haben? Ehrlich jetzt mal…