Elia Barceló: Töchter des Schweigens

Um dreißig Jahre des Schweigens geht es auch in dem grandiosen Roman von Elia Barceló, Töchter des Schweigens. Und darüber hinaus noch um weitaus mehr: Um das Leben im Schatten einer Diktatur, um Verrat, Spitzeltum und die Frage, wie verdient ein Tod sein kann, aber auch um Mut, Loyalität, Liebe und die Freundschaft von sieben jungen Frauen an der Schwelle des Erwachsenwerdens. Die virtuose Erzählkraft Barcelós bindet mühelos die Rückblicke zu den Ereignissen der Vergangenheit und den Haupthandlungsstrang der Gegenwart zu einem organischen mitreißenden Ganzen.

Als sich die sieben Freundinnen nach drei Jahrzehnten in der spanischen Kleinstadt, in der sie das Ende ihrer Schulzeit miteinander erlebt haben, wiedertreffen, scheint es anfangs, dass die Unterschiedlichkeit ihrer Lebensentwürfe zusammen mit der vergangenen Zeit ausreichend gewesen sind, die Schatten der Vergangenheit auf eine handliche Größe zu reduzieren. Doch spätestens in dem Moment, als eine von ihnen stirbt – Selbstmord, Mord oder doch vielleicht nur ein tragischer Unfall? – wird ihnen allen klar, dass einige Dämonen doch nicht so leicht zu besiegen sind.

Elia Barceló, Töchter des Schweigens. Piper Pendo, München 2011

gelesen von Jule Blum