Elke Weigel: Fußballtöchter

Elke Weigel: Fußballtöchter

Deutschland 1970 – aus heutiger Sicht tiefes feministisches Mittelalter und doch eigentlich noch gar nicht so lange her. Die frühen Nachkriegsjahre haben die Frauen zurück in Küche und Kinderzimmer gezwängt, Arbeiten ohne Genehmigung des Gatten ist untersagt, die Versorgung von Vätern, Brüdern, Ehemännern bildet Sinn und Zweck weiblichen Lebens. Da ist es natürlich undenkbar, dass Frauen eigene Interessen entwickeln oder sich gar in Männerdomänen wie Fußball vorwagen. Denn auch der sogenannte Damenfußball ist verboten. Trotzdem gibt es für Susi nicht Schöneres, als mit ihren Freundinnen zu kicken und ganz allmählich entwickelt sich nicht nur eine erfolgreiche Frauen“mann“schaft in der Enge des schwäbischen Dorfes, sondern die Frauen merken, dass sie ihre Interessen nicht nur auf dem Fußballplatz durchsetzen können und müssen. Susi fühlt sich von Gerda, Tochter des Bürgermeisters und umtriebige „Emanze“, sehr angezogen, doch immer scheint in der heimlichen Beziehung der beiden etwas zu fehlen.

Es geht in dieser mitreißenden Geschichte um weitaus mehr als nur um Fußball, es ist ein Stück unserer ureigenen Geschichte, einer Geschichte, die den jüngeren Leserinnen unfassbar, absurd und kaum zu glauben vorkommen mag, an die sich die älteren aber sehr wohl noch erinnern können. Sie möge Pflichtlektüre in den Schulen werden und sei allen wärmstens ans Herz gelegt, auch jenen, die nicht wissen, wie Abseits funktioniert oder welchen Abstand die Mauer beim Freistoß einhalten muss J

Elke Weigel, Fußballtöchter. Querverlag Berlin 2012

gelesen von Jule Blum