Eva Hehemann: frauengesellschaft(en) in Deutschland – von der privaten Feier bis zum Berufsverband.

Was tun Frauen gemeinsam? Bei welchen Anlässen schätzen sie es, unter sich zu sein? Das schwergewichtige Buch mit über 500 farbigen Seiten gibt einige Antworten. In Format und Inhalt erinnert es an ein Fotoalbum, bei dem auch ich immer wieder bekannte Gesichter gesucht habe. Natürlich bin ich fündig geworden, obwohl sich die Auswahl der abgelichteten Feiern und Zusammenkünfte hauptsächlich auf Köln und das weitere soziale Umfeld der Autorin beschränkt. Das allein macht deutlich, dass es beim Zusammentreffen zweier in irgendeiner Weise frauenbezogen lebender Frauen garantiert Schnittmengen geben wird.

Die Fotos sind gelungene Schnappschüsse von Geburtstagsfeiern und Salons, von Konferenzen und politischen Veranstaltungen, sportlichen Aktivitäten, einer Tupperparty und aus einem Mädchenprojekt. Nicht immer sind nur Frauen zu sehen, aber immer sind Frauen die Hauptakteurinnen. In den zwischengeschalteten Interviews erzählen verschiedene Frauen mal mehr, mal weniger fundiert, welche Rolle Frauengemeinschaften in ihrem Leben spielen.

Spannend lesen sich die Überlegungen u.a. von Kerstin Wolff vom Archiv der Deutschen Frauenbewegung,  von Marianne Pitzen, der Gründerin des Frauenmuseums Bonn. In eine ganz neue Welt entführt der kluge Beitrag von Imi Paulus und Karolin Balzar, den Organisatorinnen der Kölner Schnittchensitzung. Und daneben gibt es dann auch mal den ein oder anderen Lapsus. So lässt Alexandra Schwarz-Schilling die Leserin wissen, dass sich nur weniger intellektuelle Frauen für Rituale wie die Walpurgisnacht interessieren und in ihrem Salon meist Akademiker die Vorträge halten. Die Frauen scheinen es ihrer Meinung nach wohl einfach nicht draufzuhaben. Dafür weiß sie ganz genau, wie es bei den Indianern zugeht. Aber gibt es nicht in jedem Fotoalbum die eine oder andere Kuriosität? Und macht nicht gerade dies einen Teil des Charmes aus?

Eine Chronik der Aktivitäten von Frauen, weit davon entfernt, den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Ein subjektiver Blick, der gerade durch diese persönliche Sicht Spaß macht.

 

Eva Hehemann: frauengesellschaft(en) in Deutschland – von der privaten Feier bis zum Berufsverband. AvivA Verlag. Berlin. 2010

 

gelesen von Elke Heinicke