Eva Kollisch: Der Boden unter meinen Füßen

1938 kommt die 10jährige Eva Kollisch mit einem jüdischen Kindertransport nach England, 1940 ist die Familie nach teilweise dramatischen Verwicklungen in New York wieder vereint. Glück gehabt? Verglichen mit anderen sicherlich, aber lässt sich Leid denn tatsächlich vergleichen und gewichten? Beim Opferranking gewinnen doch immer nur die anderen. Kollisch beschreibt in ihrem anrührend mutigen Buch, wie das Gefühl des „Andersseins“ sie seit frühester Jugend begleitet, vom dumpfen, gar nicht mal so persönlich gemeinten Antisemitismus ihrer österreichischen Kindheit bis hin zu dem Gefühl, sich als Lesbe nicht zeigen, nicht outen zu können.

Das Gefühl, entwurzelt zu sein, nie dazu zu gehören, ist Teil ihres Lebens und immer ist sie auf der Suche nach dem Boden unter ihren Füßen, der sie wirklich zu tragen vermag. Und doch ist dieses Buch mehr als nur die Abrechnung mit den Tätern und Mitläufern, es  ist auch eine behutsame, fast scheue Annäherung an das feindselige Land ihrer Kindheit.

Komponiert ist Kollischs Geschichte in einer faszinierenden Mischung aus autobiografischen Reflexionen und fiktiven Erzählstücken; ein starkes Buch einer starken Frau.

Eva Kollisch, Der Boden unter meinen Füßen. Czernin Verlag Wien 2010-11-12

gelesen von Jule Blum