Fana Asefaw: Weibliche Genitalbeschneidung

Asefaw promovierte und publizierte zum Thema des Buches, erhielt 2008 den Promotionspreis für Gynäkologie und Psychosomatik. Darüber hinaus ist ihr ein außergewöhnlich gutes Sachbuch gelungen: bestens recherchiert, strukturiert, klar in Sprache und Stil. Asefaw beschreibt Beschneidungspraktiken, ordnet sie in kulturelle und soziale Kontexte ein. Mit beschnittenen Frauen in Eritrea hat sie ebenso wie mit beschnittenen Migrantinnen in Europa Gespräche geführt. Sie zeigt, dass viele mit der Beschneidung verbundene gesundheitliche und seelische Probleme erst nach der Migration auftreten, wenn die betroffenen Frauen von ihrem kulturellen Kontext losgelöst sind.

Asefaw ist engagierte Beschneidungsgegnerin, jedoch fordert sie einen würdevollen Umgang mit beschnittenen Migrantinnen, deren optimale medizinische Versorgung durch geschultes medizinisches Personal. Sie zeigt, dass nachhaltige Prävention nur durch Bildungs- und Entwicklungschancen für Frauen und Mädchen möglich ist. Asefaw analysiert Aufklärungskampagnen in Eritrea und in westlichen Ländern und stellt Parallelen zu Schönheitsoperationen im Genitalbereich als Mittel der scheinbaren Selbstverwirklichung westlicher Frauen her. Gut gewählte Fallbeispiele und Interviewausschnitte runden die Darstellung ab.

Fana Asefaw. Weibliche Genitalbeschneidung. Ulrike Helmer Verlag. Königstein/Taunus. 2008.

gelesen von Elke Heinicke