Florence Hervé (Hg.in): Durch den Sand. Schriftstellerinnen in der Wüste.

Ein wie gewohnt liebevoll gestaltetes Büchlein aus dem Berliner Verlag, mit Lesebändchen – wo gibt es solcherart Luxus sonst noch? Es macht einfach Spaß durch die Seiten zu blättern und mit den vielen ganz unterschiedlichen Autorinnen auf Entdeckungsreise zu gehen. 29 Autorinnen aus der ganzen Welt teilen ihre Faszination angesichts dieser oberflächlich betrachtet unwirtlichen Landschaft mit den Leserinnen. Manche von ihnen sind in der Wüste zu Hause, andere sind Reisende, manche berichten vom Alltag, andere sehen die Wüste in ihrer Symbolkraft, beschreiben ihre Erlebnisse, ihre Inspiration. Sand und Steine, unendliche Weite, Hitze und Staub, nächtliche Kälte und Sternenfunkeln prägen die Gedichte, Miniaturen und Romanauszüge.

Vertreten sind u.a. Ingeborg Bachmann, Mascha Kaléko, Annette von Droste-Hülshoff, Else Lasker-Schüler, Ella Mailhart, Christa Wolf und natürlich auch Annemarie Schwarzenbach. Besonders gefallen hat mir die Erzählung aus der Perspektive einer israelischen Mutter (Savyon Liebrecht), Ingeborg Bachmanns Ägyptischen Finsternis weckte bei mir eigene Urlaubserinnerungen, Robyn Davidson schildert, wie ein Aufenthalt in der australischen Wüste einen Menschen verändert und Waltraut Fischer folgte ich gern in die Mongolei zur Wüste Gobi. Die Herausgeberin Florence Hervé hat selbst mehrere Wüsten bereist und Ausschnitte aus ihrem Sahara-Tagebuch sind im Buch zu finden.

Ein unbedingtes Muss für Abenteurerinnen und solche, die es werden wollen. Ein schönes Buch über Regionen, die es den Menschen nicht leicht machen, in ihnen heimisch zu werden. Ein wichtiges Buch in einer Zeit, da immer größere Areale unserer Erde von Wüstenbildung bedroht sind.

Florence Hervé (Hg.in).  Durch den Sand. Schriftstellerinnen in der Wüste. AvivA Verlag. Berlin. 2010

gelesen von Elke Heinicke