Frigga Haug: Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik.

Rosa Luxemburgs Namen  kannte ich schon als kleines Mädchen. Damals wusste ich, dass sie für die Befreiung der Arbeiter, für den Sozialismus gekämpft hatte, eingekerkert war, aber niemals den Mut verlor, dass sie Tiere, vor allem Vögel liebte. In einer Winternacht war sie gemeinsam mit Karl Liebknecht ermordet worden.  Klug und mutig waren die Eigenschaften, die ich damals an ihr bewunderte.

Später hörte ich ihren Namen immer im Zusammenhang mit Karl Liebknecht. Da wusste ich schon, dass sie sich wie Liebknecht gegen die Bewilligung der Kriegskredite engagiert hatte, Mitbegründerin des Spartakusbundes und der KPD war und 1919 von Regierungstruppen ermordet wurde. Ich kannte ihre Kritik an der Sozialdemokratie.

 

Noch später las ich ihre Biografie und erfuhr, dass Rosa Luxemburg eine polnische Jüdin war, Natur- und Gesellschaftswissenschaften studiert und schon sehr jung promoviert hatte.

In den Achtzigern hörte ich dann zum ersten Mal das Luxemburg-Zitat Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden. Zu dieser Zeit begann die jährliche Kranzniederlegung  anlässlich des Todestages von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg mehr und mehr zu einer Protestveranstaltung der Andersdenkenden im real existierenden Sozialismus zu werden.

In den neunziger Jahren gab es für mich eine Menge neuen Lesestoff – Feminismus, FrauenLesbenbewegtes. Rosa Luxemburgs Name tauchte selten auf. Bestenfalls war sie eine der Frauen, die sich über traditionelle Geschlechterrollen hinweggesetzt hatte.

Mit der Lektüre des von Frigga Haug zusammengestellten Buches machte ich mich nun erneut auf die Entdeckungsreise, um zu erkunden, wer Rosa Luxemburg eigentlich gewesen ist. Frigga Haug gibt wenig fertige Antworten, zeigt aber anhand von Zitaten, wie Luxemburg dachte, wie sie ihre Theorie in tagespolitische Aktivitäten umzusetzen vermochte. Sie macht Luxemburg nicht zu einer Feministin, sondern zeigt, wie Feministinnen von der Art des Analysierens, Hinterfragens oder der Orientierung im Politikdschungel profitieren können.

Höchst anregendes Buch, das Luxemburg in ihren zeitgenössischen Rahmen einbindet und ihre Bedeutung weit über ihre Lebenszeit hinaus verdeutlicht. Ein Buch, das mich in seiner brillanten Gedankenführung fasziniert und mir die Figur der Rosa Luxemburg und ihre Gedankenwelt wieder näher gebracht hat.

Frigga Haug. Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik. Argument Verlag. Berlin. 2007.

gelesen von Elke Heinicke