Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hg): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben

„Mehr als 450 Seiten und 1048 g schwer“, so stand es stolz in der „Geburtsanzeige“ des Querverlags. Und in der Tat ist es ein gewichtiges Werk geworden, in dem die Herausgeberinnen die Beiträge von 97 AutorInnen zu einem faszinierenden Kaleidoskop über 100 Jahre Lesbenbewegungsgeschichte in Deutschland zusammengetragen haben.

 

Nach einer kurzen Einleitung über die Rahmenbedingungen und Anfänge der Organisierung seit 1900 befasst sich das Buch in jahrzehnteweisen Schritten ab den 1970er Jahren bis zur Jetztzeit mit den Entwicklungen politischer Orientierung, Alltag und Kultur lesbischen Lebens. Expertinnen, Laiinnen, Nichtmehr- und Immernochbewegte kommen als Zeitzeuginnen zu Wort. Von Femø bis zu den Queer-Debatten werden die Diskussionen, Aktionen und Einflüsse der Lesbenbewegung lebendig – in all ihrer Unterschiedlichkeit, all ihrer Streitbarkeit.

Vermutlich könnte ein Buch über die Geschichte der deutschen Lesbenbewegung gut mindestens doppelt so dick werden, wahrscheinlich blieben dennoch Lücken, wäre immer noch mehr zu sagen gewesen. Und natürlich hätte ich es mir als Lesbenring-Frau besonders gewünscht, dass der LR als einziger bundesweiter Dachverband für Lesben und Lesbenorganisationen mehr Raum, vielleicht gar ein eigenes kleines Kapitel, bekommen hätte.

Dennoch ist es ein grandioses Buch geworden. Ein (ge)wichtiger Beitrag zur Sichtbarkeit lesbischer Kultur und gegen das Vergessen unserer eigenen Geschichte, prall voll mit Artikeln zum Festlesen und Bildern zum Nicht-Mehr-Aus-Hand-Legen-Wollen, vielen Ach-Ja-Stimmts und Weißt-Du-Nochs.

Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hg). In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben, Querverlag Berlin 2007

gelesen von Jule Blum