Gudrun Pflughaupt – LFT Nachlese zu Köln 2009

Das LFT 2009 in Köln ist nun auch schon wieder Geschichte. Der Alltag hat uns wieder. Die eine oder andere trauert noch dem auf- und anregenden Pfingstwochenende nach. Die Orgas sind dabei, wieder zu sich zu kommen. Für sie folgt die anstrengende Zeit des Auswertens und der finanziellen Abrechnung.

Ich erlebte in diesem Jahr mein 14. LFT. Bei einem war ich selbst Orga. In diesem Jahr gehörte meine Liebste zu den Orgas, und ich hatte das Jahr über aus der Ferne einen kleinen Blick hinter die Kulissen. Auf dem LFT selbst saß ich als Dauerhelferin  hinter dem Tisch für die Referentinnen und bemühte mich fast 3 Tage lang, geduldig auch die vielen anderen Fragen der Besucherinnen zu beantworten.
Mir ist einiges klar geworden, das wohl ins Mittelplenum gehört, auf dem Abschlussplenum ist kein Raum dafür.

Vielleicht ist es aber auch möglich, das Jahr über im Gespräch zu bleiben.

Ich denke, die Atmosphäre eines LFT ist etwas ganz Eigenes, was ich so auch auf keinem CSD oder anderen kleineren Veranstaltungen erlebt habe. Es ist das Gefühl des Eintauchens in eine Community. Was für viele der Besucherinnen sicher auch mit einem angenehmen „sich fallen lassen, wie bei Mutti geborgen fühlen“ verbunden ist. Das jedenfalls ist meine Erklärung für die vielen fast schon dummen Fragen und kindischen Anliegen, mit denen sich Besucherinnen an die Orgas wenden. Das, was auf manchen Plena unter dem Begriff „Anspruchsdenken“ angesprochen wird, hat mehrere Facetten. Zum einen ist es berechtigter Teil des LFT, notwendig zur Weiterentwicklung, dass aktuelle Fehler bzw. fehlende Möglichkeiten kritisiert werden. Wozu das Einhalten der Beschlüsse gerade auch im Bereich „barrierefrei“ gehört. Zum anderen geht die Entwicklung weiter, die Gesellschaft ist nicht mehr dieselbe wie vor 30 Jahren, als die ersten LFT stattfanden. Logisch, dass die Ansprüche andere werden. Das ist dann immer eine Geldfrage. Vom Essen bis hin zum Abendprogramm. Wenn Frauen unbegrenzte Mengen an Sozialkarten fordern, muss ich lächeln. Wir führen einmal im Jahr auf einer kleinen Insel mit unserem Bedarfekonzept den Kommunismus ein (jeder nach seinen Möglichkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen – das habe ich mal als Verteilungsprinzip des Kommunismus gelernt), wie soll das unbegrenzt funktionieren? Aber was dahinter steht, ist meiner Ansicht nach das Bedürfnis, einmal im Jahr in so eine gerechte, solidarische, freundliche Welt einzutauchen. Und das zu bieten, ist die jeweilige aktuelle Orga einfach völlig überfordert!  Es ist legitim, die Forderung zu stellen, weil LFT ja auch das Prinzip einschließt, dass jede einmal dran ist, selbst Orga zu sein, also das zu geben, was sie jetzt einfordert. Aber wir sollten uns bemühen, andere Formen zu finden, dieses Gemeinschaftsgefühl umzusetzen, nicht nur auf die jeweilige Orga und ihr Geschick, die Helferinnen klug einzusetzen und selbst im größten Chaos noch ruhig und freundlich zu bleiben, bauen. Dazu würde ich mir eine Debatte das Jahr über auch in anderen Zusammenhängen wünschen, da nicht alles auf dem LFT selbst im Plenum ausdiskutiert werden kann.

 

Gudrun Pflughaupt