Hanna Friedrich: Das Erbe der Lady Eleanor.

Hanna Friedrich - Das Erbe der Lady Eleanorbestellen… Draußen nieselt der Herbst vor sich hin, drinnen niese ich. Was könnte an solch einem Tag die Stimmung heben? Nur das richtige Buch wäre dazu in der Lage und Hanna Friedrich hat es geschrieben, der Verlag Krug und Schadenberg verlegt. Also koche ich mir einen Kakao, schüttele die Kissen auf und lehne mich genüsslich zurück. Brummschädel und Triefnase sind im Handumdrehen vergessen, denn das Buch hat einfach alles, was ich gerade brauche: eine bezaubernde Lady, die einem geheimnisvollen wappenlosen Ritter begegnet und auf der Stelle in heißer Liebe für ihn entbrennt. Doch schon bald errät sie sein Geheimnis, denn der Ritter ist eigentlich kein Ritter, denn dann wäre dies ja schließlich kein Lesbenroman. Es geht um edle Pferde, Turniere, Knappen und Aufstände gegen den König. Ein klein wenig englische Geschichte und ein kleines Glossar zum Burgleben machen die Geschichte zum Survival guide für Zeitreisende.
Mystisch ist es obendrein, denn Nebel verhüllen die Amazoneninsel Cyane, Amazonenpriesterinnen leben undercover im patriarchalen Umland und ein geheimnisvolles Amulett führt zu einer Truhe, die ein Magier einst in die Obhut der Amazonen gegeben hat. Nur wer im völligen inneren Gleichgewicht ist, kann die Truhe öffnen und eine Aufgabe lösen, um großes Unglück von England abzuwenden. Und wer bitte sollte denn eine harmonischere Einheit bilden, als unser ritterliches Lesbenpaar, das nach Überwindung einiger Hürden dann endlich zueinander gefunden hat. Als dies geschafft ist, gibt es am Ende sogar noch eine Hochzeit und alle leben glücklich und zufrieden. An der Stelle macht sich dann wieder mein Brummschädel bemerkbar, denn dass Rose als Ritter durchgeht kann ich mir noch gut vorstellen, dass es unbemerkt bleiben soll, wenn der Ritter immer auftaucht, wenn Rose verschwunden ist, weniger.
Der Lesestoff ist amüsant, vielleicht gerade deshalb, weil er zwar wie ein Neuaufguss von Avalons Nebeln daher kommt, aber viel unprätentiöser und damit auch gut und gerne als Parodie zu lesen ist. Da unterhalten sich die Protagonistinnen dann teilweise so herzerfrischend unbekümmert, als säßen sie auf einem Etagenbett im Schullandheim. Und dann gibt es funkelnd-kitschige Erotik wie diese Wie aus einem Gefängnis befreit, quoll das Haar über ihre Hände und umfloss die Schultern der Ritterin. Das ist doch was fürs Herz, genau das, was die Autorin schreiben wollte und was der Klappentext verspricht.
Titel notieren und bereitlegen für einen grauen Tag!

Hanna Friedrich. Das Erbe der Lady Eleanor. Verlag Krug und Schadenberg. Berlin. 2008

gelesen von Elke Heinicke