Hanna Mandel: Beim Gehen entsteht der Weg. Gespräche über das Leben vor und nach Auschwitz

Erzähltes, das wir nicht vergessen wollen. So heißt die Reihe aus der Ariadne Literaturbibliothek, zu der auch das vorliegende Buch gehört. Hanna Mandel, Jahrgang 1927, aufgewachsen in einem kleinen ungarischen Ort, mit 17 nach Auschwitz deportiert, einzige Überlebende ihrer Familie, verheiratet, drei Kinder, gestorben 2003. Mehr als diese wenigen dürren Worte lässt sich nicht erzählen, die Einzelheiten des Lebens der Hanna Mandel muss eine selbst gelesen haben. Die Einzelheiten einer unbeschwerten Kindheit, die Einzelheiten des Grauens im Konzentrationslager, die Einzelheiten über das „normale“ Leben danach, sind nur in ihren eigenen Worten wiederzugeben.

Nachzuvollziehen oder gar zu verstehen sind sie nicht. Beim Gehen entsteht der Weg ist eines der verstörendsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es ist eines jener Bücher, die sich eigentlich jeglicher Kritik oder Rezension entziehen, da das, was sie beschreiben, so unglaublich wichtig ist. „Kein Buch kann Gespräche mit den Überlebenden ersetzen. Auch dieses Buch nicht. Meine Hoffnung ist trotzdem, dass beim Lesen etwas spürbar wird vom leidenschaftlichen Interesse Hanna Mandels an der Zukunft dieser Welt.“ (Aus dem Vorwort.) Dieses leidenschaftliche Interesse spürt die Leserin tatsächlich. In jedem Absatz. Erzähltes, das wir nicht vergessen dürfen!

Hanna Mandel, Beim Gehen entsteht der Weg. Gespräche über das Leben vor und nach Auschwitz. Ariadne Literaturbibliothek, Argument Verlag Hamburg 2008

gelesen von Jule Blum