Henrike Lang: Apfelduft.

Lang, Henrike - ApfelduftUnzensiert und unterhaltsam, Liebesleben, Schwangerschaft, Leben mit Kleinkind. All das verspricht der Klappentext und der Roman hält all diese Versprechen.  Unprätentiös nennt es die Presseinformation.  Wenn damit ein eher gemäßigter literarischer Anspruch gemeint war, wird auch dieses Versprechen eingelöst.  Aber das Ganze lässt sich ja auch als journalistisch angehauchtes Tagebuch einer Lesbe mit Kinderwunsch lesen. Die Leserin begleitet die Protagonistin durch das Auf und Ab der Zeugungsphase, in der sie sich in (Blitz)Affären mit Männern stürzt und schließlich eine Befruchtungsklinik findet, wo sie eine Samenbank anzapfen kann. Die Leserin wünscht sich innbrünstig, es möge endlich gelingen. Manche Details will eine doch gar nicht wissen, aber die werden uns auch in der Schwangerschaft nicht erspart. Wer will schon wissen, welche wann wo gepinkelt hat? Nun, die Leserin hofft, dass die 9 Monate einmal zu Ende gehen, aber das Leben mit Kleinkind wird uns auch aus einer eher analen Fixierung heraus beleuchtet. Geschmäcker sind halt verschieden.

Sollte eine den Roman mit einem Ratgeber verwechseln so sei sie gewarnt: In den seltensten Fällen rettet ein Kind eine eher schon in Frage zu stellende Beziehung. Solche Wunder geschehen nur im Roman. Aber dafür gibt es mit Kindern auch wesentlich erfreulichere Momente als verschmierte Ausscheidungen, sonst hätte ich die letzten 22 Jahre mit meiner Tochter nicht überlebt. Die schon zu Beginn der Romanhandlung seit 20 Jahren dauernde Beziehung zwischen den Protagonistinnen wirkt alles andere als liebevoll, aber immerhin ist Judith im Bett ein „Pralinsche“. Ein ganz klein Wenig mehr Reflexion hätte auch nicht geschadet, wenn die Autorin die Co-Mutter ausgerechnet nach Kosovo schickt, für ein Jahr als Militärärztin. Und Muslimbrüder kämen ja als Besamer nicht in Frage – ganz vorurteilslos? Da nimmt die lesbische Mutter in spe doch lieber einen, der wie ein weißer Maori aussieht. Dann riskiert sie einen Blick auf die Jungs im Schulhof nebenan.  Das mit dem fehlenden Beinchen der Chromosomen geht etwas durcheinander (S.49), da hätte besser jemand noch mal nachzählen sollen.

Der moralische Schluss, dass die etwas älteren Lesben halt nicht so begeistert auf den Goldjungen der Autorin reagieren, –  sie sind ja verbiestert, weil ihr Kinderwunsch unerfüllt blieb – war etwas überflüssig. Vielleicht haben die ja nur genug von der Kinderaufzucht, denn sooo selten sind eigene Kinder auch bei den heute 50jährigen Lesben nicht, wenn ich mich im Freundinnenkreis umschaue.

Jedenfalls gibt es jetzt hiermit auch Feuchtgebiete für gebärwillige Lesben, Schwangere, Stillende und mit Kleinkind lebende Lesben.  Why not?

Henrike Lang.  Apfelduft. Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Tübingen. 2011. Bestellen…

gelesen von Elke Heinicke