Hg.in Corinna Waffender: Heimat. Konkursbuch 49

Der Konkursbuch-Sammelband mit der stolzen Nummer 49 ist da. Er trägt den nicht unbelasteten Titel heimat. Das Cover dräut mit Häkelkissen und gedeckten Farben, dass sich die Nackenhaare aufstellen. Seite 6 und 7 bringen ein doppelseitiges Foto mit bedrohlich düsterer Gewitterstimmung.

Heimat. Was für ein Ort ist das für die AutorInnen, die ihre Gedanken für dieses Buch niedergeschrieben haben? Johanna Straub beschreibt den Besuch ihrer Eltern und wie klein sie plötzlich in der Großstadt wirken. Millay Hyatt erzählt von Lena, der feministischen Lesbe, die sich mit ihrer Herkunft kritisch auseinandergesetzt hat, um jetzt sagen zu können: Ich fahre in mein Dorf. Umdeuten geht über Verwerfen. Tanja Dückers erzählt vom Umzug der Großmutter in die Seniorenresidenz und wie sie sich nicht von der hellblauen Badekappe trennen will, die Erika, ihrer Jugendliebe gehörte. Ursula Wartmann nimmt die Leserin mit auf eine Reise ins Ruhrgebiet. Ba Ossege ist als Kind oft umgezogen und kann auch als erwachsene Frau nicht ankommen, bleibt rastlos. Nora Mansmann geht der Identitätssuche in der Ukraine nach, einem Land, das irgendwo zwischen sowjetischer Vergangenheit und europäischer Gegenwart angesiedelt ist. Sie schreibt von einem Bühnenstück zum Thema, das mit den wundervollen Worten endet: Ich bin überall gern. Und da, wo ich gerade bin, am liebsten. Olga Bach sinniert in ihrem Äthiopientagebuch, wie das Gefühl für Heimat sich wandelt, wenn die äußeren Bedingungen völlig verändert sind. Andrea Karime hat eine wundervolle Geschichte geschrieben von Hertie, die eigentlich Harbitija heißt, in zwei Kulturen zu Hause und verliebt in deutsche Komposita ist. Und Verlegerin Claudia Gehrke führt in Wort und Bild durch Kindheitshäuser der verschiedenen Generationen ihrer Familie.

Schöne Fotos, z.B. Altenheimat und noch mehr Sofakissen von Monika Clausen runden den Band ab. Mein absolutes Lieblingsfoto ist die Doppelseite am Buchende: eine leere Wand mit Lichtschalter und kariertem Geschirrtuch über dem Türknauf, aufgenommen von Lena Maimann. Ein Foto, das viel Raum lässt, um ihn mit eigenen Erinnerungen zu füllen.

Konkursbuch 49 ist es unbedingt wert, gelesen zu werden. Es beleuchtet viele Aspekte des Themas, regt an, eigene Sichtweisen hinzuzufügen und zu hinterfragen. So sollten Bücher sein.

 

Hg.in Corinna Waffender: Heimat. Konkursbuch 49. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Tübingen. 2010

gelesen von Elke Heinicke