Hilde Stieler: Die Edelkomparsin von Sanary.

M. Flügge hat den nachgelassenen Text von Stieler im Archiv der Stadt Sanary-sur-Mer entdeckt, übersetzt, bearbeitet und veröffentlicht. Nichts Fertiges, sondern ein getipptes Manuskript mit handschriftlichen Korrekturen und Ergänzungen, in dem die Autorin episodenhaft von ihrem Leben erzählt. Sie streift ihre Kindheit und Jugend, widmet sich dann schwerpunktmäßig ihren Beziehungen zu dem Schauspieler Kurt Stieler und dem Maler Erich Klossowski. Wenig, sehr wenig erfahren wir über Stieler als Autorin oder ihre Erfolge als Malerin. Nur kurz scheint ihre Erfahrung als Komparsin beim Film auf. Dafür erzählt sich ausschweifend von Begegnungen mit Persönlichkeiten ihrer Zeit.

An der Seite von Klossowski gehörte Hilde Stieler zur Szene von Sanary, dem Exilort deutscher Literaten zur Zeit des Nationalsozialismus. Daher liest sich der Text eher wie ein Kompendium, ein Who-is-who der Exilszene, eine wahre Fundgrube, um Querverbindungen zwischen AutoInnen, KünstlerInnen, Intellektuellen nachzuspüren.

Flügges Nachwort ist eine Bereicherung, aber das Highlight ist ohne Zweifel der Text Hilde Stielers Die Edelkomparsin, der Lust macht, mehr aus ihrer Feder zu lesen.

Das Buch aus dem AvivA Verlag hat die gewohnt liebevolle Ausstattung: Hardcover, Landkarten auf den Innenseiten, Lesebändchen, viele Fotos. Kurzum ein Buch, das ich gern in die Hand nehme.

Hilde Stieler. Die Edelkomparsin von Sanary. AvivA Verlag. Berlin. 2009

 

gelesen von Elke Heinicke