Hildegard Steger-Mauerhofer: Halbe/Halbe. Utopie Geschlechterdemokratie.

Der Milena Verlag hat ein neues Logo und auch sonst ein paar Neuerungen. Allerdings liegen diesen Herbst vornehmlich Sachbücher auf meinem Lesestapel. Um allerdings zu orakeln, ob dies eine Neuorientierung des Verlags bedeutet – die vielleicht nicht nur ich schmerzlich betrauern würde – ist es zu früh. Warten wir es ab.
Neu ist auch die Covergestaltung, die sich jetzt aber im modernisierten Look weniger von der allgemeinen Buchlandschaft abheben wird. Milena ist auf den ersten Blick sachlicher geworden, überrascht wird aber diejenige, die das Buch zur Hand nimmt: Haptisch interessant und im direkten Sinne des Wortes mit den Fingerspitzen erfahrbar. Mir gefällt’s.

Das schmale Bändchen von Steger-Mauerhofer hat seinen Titel der Medienkampagne Ganze Männer machen halbe/halbe entlehnt, die 1996/97 in Österreich für einen ziemlichen Wirbel sorgte. Gehofft hatte ich auf mehr Informationen zur Kampagne, die jedoch beim vorwiegend alpenländischen Publikum wohl als bekannt vorausgesetzt wurden. Deshalb gibt Steger-Mauerhofer akribisch wieder, was A wann zu B gesagt und warum C widersprochen hat; ein Abriss des Diskussionsprozesses vornehmlich der Parteien zum Gesetzentwurf Zur partnerschaftlichen Teilung der Versorgungsarbeit in Österreich. Das liest sich wohl deshalb etwas dröge, weil Patriarchen eben zu allen Zeiten allerorts immer wieder die gleichen Ausflüchte bringen und Feministinnen (un)verdrossen und mehr oder weniger geduldig die gleichen Argumente wiederkäuen müssen. Das Radikalste in der dargestellten Diskussion war wohl, in Frage zu stellen, ob statt künftig Verweigerung des Ehemanns bei der Hausarbeit als triftigen Scheidungsgrund zu etablieren nicht besser gleich ein modernes Scheidungsrecht ohne Schuldfrage her sollte. Frau muss ja nicht gleich so weit gehen, die Ehe als Institution in Frage zu stellen…

Immerhin gibt es das Gesetz seit 1999, zumindest wurde ein Zeichen gesetzt, um (Ehe)Frauen von der Bürde der alleinigen Zuständigkeit der Reproduktionsarbeit zu entlasten und ihnen damit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt einzuräumen. Zu tun bleibt noch eine Menge…

Hildegard Steger-Mauerhofer. Halbe/Halbe. Utopie Geschlechterdemokratie. Milena Verlag. Wien. 2007

Gelesen von Elke Heinicke