Irene Fleiss: Als alle Menschen Schwestern waren. Leben in matriarchalen Gesellschaften. Band 1.

Zugegeben, es ist schon ein paar Jährchen her, da lagen sie stapelweise auch neben meinem Bett: Die Bücher von Aliti, Daly, Francia, Gimbutas, Göttner-Abendroth, Lerner, Liedloff, Meixner, Ranke-Graves, Starhawk, Voss, Walker, Weiler bis Wex. Ich gestehe selbst Osho und Dahlke nicht ausgelassen zu haben – wie die allerdings in ein Werk über Matriarchate geraten sind, bleibt mir absolut schleierhaft. Die aus dem universitären Umfeld kommende Fleiss hat all diese und noch viel, viel mehr (Standard)werke gesichtet und ausgewertet.

Matriarchatsforschung war schon immer ein faszinierender Mix, der aus den verschiedensten Quellen gespeist wurde: Die einen deuteten archäologische Funde, die anderen besuchten heute noch matriarchal lebende Völker, die dritten spürten in Märchen und Mythen matriarchale Reste auf, die vierten feierten Rituale und entdeckten die Wirkung alter Symbole neu und überlegten, wie es sich ganz anders, nämlich egalitär oder matriarchal auf Mutter Erde leben ließe.

 

Genau dieser Mix findet sich auf den Seiten dieses Bandes wieder: eine unglaubliche Menge an Fakten, eine großartige chronologische Übersicht über Belege von matriarchalen Gesellschaften, Zitate aus einem beeindruckend umfangreichen Quellenmaterial. Für meinen Geschmack zu viele Spekulationen, vage Behauptungen, die durch noch vagere, zeitlich absolut nicht zuordenbare Zitate scheinbar belegt werden. Bestechend durch die klare Strukturierung und das praktische Stichwortverzeichnis.  Mal spannend zu lesen, mal mit zähen Längen.

Irene Fleiss. Als alle Menschen Schwestern waren. Leben in matriarchalen Gesellschaften. Band 1. Christel Göttert Verlag. Rüsselsheim. 2006

gelesen von Elke Heinicke