Irmgard Barta: Engel morden einsam

Katrin Hauser, Immobilienmaklerin in der Babypause, lebt mit Mann und Söhnen in einer idyllischen Vorstadtsiedlung von Graz. Doch jedes Paradies hat seine Schlange: Monika Wachter, giftige Nervensäge mit zweifelhaftem Lebenswandel, macht Katrin, ihrer Vermieterin, das Leben schwer. Und dann liegt sie tot in ihrer halb ausgeräumten Wohnung und die Polizei hält Katrin für die Hauptverdächtige. Die Ermittlungen verlaufen im Sand, aber als Katrin in der Wohnung ihrer Ex-Mieterin einen mysteriösen Zettel entdeckt, beschließt sie, der Sache auf eigene Faust nachzugehen. Zusammen mit ihrer Freundin Teresa begibt sie sich auf eine gefährliche Fahrt nach Tschechien, ohne zu ahnen, wie nahe sie dem Mörder von Monika Wachter gekommen ist.

Hintergrund von Bartas Krimi bildet das brisante Thema der so genannten Pflegeprostitution: vor allem aus den ehemaligen Ostblockstaaten wie Polen, Tschechien oder der Slowakei werden Frauen als Pflegekräfte, mit mehr oder weniger fundierter Ausbildung, über als Wohlfahrtsverbände getarnte Vereine in den Westen geschleust. Hier werden sie zu Dumping-Löhnen als rund um die Uhr verfügbare Haussklavinnen vermietet und kümmern sich um Pflege bedürftige alte Menschen, deren Angehörige sich mit diesem „Service“ das Gewissen erleichtern wollen. Die Frauen werden ausgebeutet, sind absolut recht- und schutzlos, die Gewinnspanne der „Vereine“ ist gigantisch.

 

Leider bleibt dieses auch politisch explosive Problem die meiste Zeit über lediglich eine blasse Hintergrundfolie, vor der sich eine etwas wirre Hobby-Detektivinnenstory und das literarische Pendant eines rasanten Roadmovies abspielen.

Welche sich aber an atemberaubendem Verfolgungsfahrten und qualmenden Reifen ergötzen kann, der sei dieser Krimi wärmstens ans Herz gelegt.

Irmgard Barta, Engel morden einsam. Milena Verlag Wien 2007

gelesen von Jule Blum